Der Krieg, die Presse und das glückssüchtige Volk

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Eine soziale und demokratische Wahlalternative: SOZIALE UNION › Wir machen Demokratie sozial!

Die folgende gekürzte Original-Rede behandelt den aufschlussreichen Anspruch deutscher Politik an die deutsche Presse und das deutsche Volk während deutscher Kampfeinsätze im Ausland für deutsche Interessen.

»Dieses Jahr (…) hatte seine Erfolge zu verdanken: erstens selbstverständlich der ungeheueren Erziehungsarbeit (…). Langsam beginnen jetzt die Früchte dieser Erziehungsarbeit zu reifen: Das deutsche Volk hat die Bewährungsprobe in den zurückliegenden Monaten glänzend bestanden, wir können wohl sagen, besser als irgendein anderes Volk in Europa. Diese Erfolge sind selbstverständlich weiter zuzuschreiben der Entschlußkraft der Führung. Sie können mir glauben, meine Herren, daß es auch nicht immer leicht war, erstens diese Entschlüsse zu fassen und zweitens diese Entschlüsse durchzuhalten. Denn ist es natürlich nicht so, daß nun die ganze Nation, insonderheit in ihren intellektuellen Schichten, etwa hinter diese Entschlüsse getreten wäre; sondern es gab naturgemäß sehr viele geistreiche Menschen – sie bilden sich wenigstens ein, daß sie geistreich sind –, die mehr Bedenken als Zustimmung zu diesen Entschlüssen aufbringen konnten. Um so wichtiger war es, erst recht mit eiserner Entschlußkraft die einmal gefaßten, schon (…) zurückdatierenden Entschlüsse durchzuhalten und durchzusetzen gegen alle Widerstände.

Weiter war eine Ursache für das Gelingen dieser Entschlüsse und damit ein Anlaß für den Erfolg: die Vorbereitung, die wir getroffen haben auf vielen Gebieten, in erster Linie selbstverständlich auf den Gebieten der militärischen Rüstung. Es sind eine ganze Anzahl von Maßnahmen getroffen worden (…), die alle zu einem bestimmten Zeitpunkt wirksam werden mußten und wirksam werden sollten und wirksam geworden sind. (…) Endlich war eine Ursache für diese Erfolge die Ausnutzung der Umstände, vielleicht überhaupt die allerwichtigste. Die allgemeine Weltlage schien mir günstiger als je zu sein für das Durchsetzen unserer Forderungen. Bei alledem darf aber etwas nicht vergessen werden, was auch entscheidend war: nämlich die Propaganda, und zwar die Propaganda nicht nur nach innen hin, sondern auch die Propaganda nach außen hin. Wenn das deutsche Volk dieses Mal – wie ich schon betonte – eine andere Haltung einnahm, wie viele andere Völker es taten und wie es auch unser Volk noch vor kurzem getan haben würde, dann ist dies der fortgesetzten Aufklärungsarbeit zuzuschreiben, also jener Propaganda, mit der wir das deutsche Volk erfaßt haben, und hier hat die Presse nun ihren großen Anteil. Wir haben uns dabei einige Aufgaben gestellt in diesem Jahr, die wir durch unsere Propaganda – und hier darf ich die gegenwärtige Presse mit an die Spitze der Instrumente stellen – erreichen wollen. Erstens die langsame Vorbereitung des deutschen Volkes selbst. Die Umstände haben mich gezwungen, jahrzehntelang fast nur vom Frieden zu reden. Nur unter der fortgesetzten Betonung des deutschen Friedenswillens und der Friedensabsichten war es mir möglich, dem deutschen Volk Stück für Stück die Freiheit zu erringen und ihm die Rüstung zu geben, die immer wieder für den nächsten Schritt als Voraussetzung notwendig war.

Es ist selbstverständlich, daß eine solche jahrzehntelang betriebene Friedenspropaganda auch ihre bedenklichen Seiten hat; denn es kann nur zu leicht dahin führen, daß sich in den Gehirnen vieler Menschen die Auffassung festsetzt, daß das heutige Regime an sich identisch sei mit dem Entschluß und dem Willen, den Frieden unter allen Umständen zu bewahren. Das würde aber nicht nur zu einer falschen Beurteilung der Zielsetzung dieses Systems führen, sondern es würde vor allem auch dahin führen, daß die deutsche Nation, statt den Ereignissen gegenüber gewappnet zu sein, mit einem Geist erfüllt wird, der auf die Dauer als Defaitismus gerade die Erfolge des heutigen Regimes nehmen würde und nehmen müßte. Der Zwang war die Ursache, warum ich jahrelang nur vom Frieden redete. Es war nunmehr notwendig, das deutsche Volk psychologisch allmählich umzustellen und ihm langsam klarzumachen, daß es Dinge gibt, die, wenn sie nicht mit friedlichen Mitteln durchgesetzt werden können, mit Mitteln der Gewalt durchgesetzt werden müssen. Dazu war es aber notwendig, nicht etwa nun die Gewalt als solche zu propagieren, sondern es war notwendig, dem deutschen Volk bestimmte außenpolitische Vorgänge so zu beleuchten, daß die innere Stimme des Volkes selbst langsam nach der Gewalt zu schreien begann. Das heißt also, bestimmte Vorgänge so zu beleuchten, daß im Gehirn der breiten Masse des Volkes ganz automatisch allmählich die Überzeugung ausgelöst wurde: wenn man das eben nicht im Guten abstellen kann, dann muß man es mit Gewalt abstellen; so kann es aber auf keinen Fall weitergehen. Diese Arbeit hat Monate erfordert, sie wurde planmäßig begonnen, planmäßig fortgeführt, verstärkt. Viele haben sie nicht begriffen, meine Herren; viele waren der Meinung, das sei doch alles etwas übertrieben. Das sind jene überzüchteten Intellektuellen, die keine Ahnung haben, wie man ein Volk letzten Endes zu der Bereitschaft bringt, geradezustehen, auch wenn es zu blitzen und zu donnern beginnt.

Zweitens war es auch notwendig, die Propaganda gegenüber der Welt zu machen, und zwar nach einer ganzen Reihe von Gesichtspunkten hin. Erstens: es war notwendig, der übrigen Welt die Probleme, die uns selbst bewegen, naturgemäß auch als dringliche und schwere aufzuzeigen. Zweitens: war es notwendig, der anderen Welt klarzumachen, daß die deutsche Nation allmählich in den Zustand kommt, daß mit ihr nicht mehr gespaßt werden kann. Das mußte man aus der Art der Behandlung dieser Probleme langsam herausfühlen. Und endlich mußte man die Überzeugung erhalten von der Geschlossenheit der deutschen Nation. Auch dafür mußte die Presse wesentlich mit eingesetzt werden. Weiter aber war es notwendig, mit dieser Presse und sonstiger Propaganda auf den Feind einzuwirken, der uns ja zunächst gegenüberstand (…). Es hat vielleicht manche gegeben, die viele der Maßnahmen, die in diesen Jahren getroffen worden sind, nicht begriffen haben. Meine Herren! Nach dem 21. Mai war es ganz klar, daß dieses Problem gelöst werden mußte, so oder so! Jedes weitere Aufschieben konnte nur die Frage erschweren und die Lösung damit blutiger gestalten. Heute wissen wir auch, daß es, ich möchte sagen, schon der letzte Augenblick war, um dieses Problem so zu lösen, wie es jetzt gelöst werden konnte. Eines ist sicher, meine Herren: eine Verzögerung auch nur von ein oder zwei Jahren hätte uns militärisch in eine außerordentlich schwere Lage gebracht. Die Feinde in der übrigen Welt wären geblieben. (…)

Es mußte also heuer unter allen Umständen die Lösung dieses Problems erfolgen. Es war nun nicht mehr möglich, hier etwas zu vertagen. Die Vorbereitungen, die hier zum ersten Mal auch auf die letzte Konsequenz hin durchgeführt und getroffen werden mußten, waren so gewaltiger Art, daß ein Tarnen nicht mehr gut denkbar schien. Vor allem aber, es war auch nicht mehr anzunehmen, daß unter den Umständen die Umwelt überhaupt noch daran geglaubt haben würde. Irgendwie glaube ich, hat sich diese Platte, die pazifistische Platte, bei uns abgespielt. Man hätte wahrscheinlich diese Melodie nicht mehr gehört oder ihrem Inhalt nicht mehr geglaubt. Ich war der Überzeugung, daß es jetzt nur noch den anderen Weg gibt, nämlich den, ganz brutal und rücksichtslos die Wahrheit zu sagen, nicht mehr und nicht weniger. Das mußte meiner Überzeugung nach auf die Dauer vor allem lähmend einwirken auf den Staat, der am meisten betroffen war. Man hat mir oft die Frage vorgelegt: „Halten Sie das für richtig? Seit Monaten wird jetzt (…) fortgesetzt Tag und Nacht geschossen, ununterbrochen wird hier auf (…) Bunker geschossen, ununterbrochen wird mit scharfer Munition geschossen, ja, Sie machen ja alles aufmerksam!“ Ich war der Überzeugung, daß ich durch diese monatelange Tätigkeit langsam aber sicher die Nerven dieser Herren (…) zerstören werde. Und dazu mußte auch die Presse mithelfen. Sie mußte mithelfen, langsam die Nerven dieser Leute zugrunde zu richten, und sie haben auch tatsächlich nicht standgehalten. In dem Augenblick der letzten und entscheidenden Belastung sind die Nerven der anderen zusammengebrochen, ohne daß es am Ende notwendig war, daß wir wirklich zur Waffe griffen.

Das war mit eine der wesentlichsten Aufgaben unserer Pressekampagne, auch von vielen natürlich nicht verstanden. Sie sagten: „Das ist doch alles übertrieben; außerdem ist doch das nicht fair; es ist doch letzten Endes ein Kleinstaat.“ Nur die Intellektuellen redeten so, das Volk natürlich sowieso nicht. Das Volk liebt hier eine deutliche und klare und vor allem eine scharfe Kost. Aber gewisse Intellektuelle, die ja immer sich in Deutschland als Wächter einer anderen Moral fühlen und vor allem verantwortlich fühlen für die sogenannte Gerechtigkeit usw., für das Maßhalten in allem und jedem. Viele solche Menschen haben das nicht verstanden. Glauben Sie, es war aber notwendig. Und letzten Endes, der Erfolg ist ja entscheidend. Ich möchte nun feststellen, daß tatsächlich diese Propaganda in diesem Jahre hervorragend gearbeitet hat, ganz hervorragend, und daß auch die Presse tatsächlich sich ganz hineingelebt hat in diese Arbeit und daß ich persönlich mit einer großen Freude jeden Tag so diese zahlreichen deutschen Zeitungen durchsah und mir wirklich sagen mußte, daß das erstens auf das deutsche Volk auf die Dauer die Wirkung ausüben muß, zweitens daß die Wirkung auch nicht ausbleiben kann auf das Ausland und drittens, daß vor allem aber die Nerven der verantwortlichen Herren (…) dem nicht standhalten können. Gott sei Lob und Dank, sie können alle deutsch und lesen alle unsere Zeitungen. Ich war der Überzeugung, das halten die auf die Dauer nicht aus. Ich habe auch die Beweise bekommen dafür. Nachdem ja (sie) ihre ganzen Telefonverbindungen nur über deutsches Gebiet, z. B. nach Paris und nach London, haben konnte(n) und wir, sagen wir, so frei oder so unanständig, oder wie man das bezeichnen will, waren, diese Telefone natürlich abzuhören, so konnten wir jeden Tag feststellen, wie das nun wirkte. Und man konnte nun jeden Tag feststellen, wenn z. B. Herr (…) mit der Presse spricht und sagt: „Es ist nichts mehr zu machen – die Deutschen natürlich mit ihrer wahnsinnigen Propaganda – man glaubt uns nichts mehr – es ist überhaupt alles verloren – wir können erklären, was wir erklären wollen – wir können sagen, was wir sagen wollen, es ist alles ganz für die Katz – das ist umsonst usw.; sie decken alles zu usw.“ Ich habe ja fast jeden Tag feststellen können, wie nun tatsächlich die Wirkung unserer Propaganda, besonders aber unserer Pressepropaganda ist. Der Erfolg, wie gesagt, aber ist entscheidend, und er ist, meine Herren, ist ein ungeheuerer! Es ist ein traumhafter Erfolg, so groß, daß die Gegenwart ihn eigentlich heute überhaupt noch kaum ermessen kann. Die Größe dieses Erfolges wurde mir selber in dem Augenblick am meisten bewußt, als ich zum ersten Mal inmitten der (…) Bunkerlinien stand. Da wurde mir bewußt, was es heißt, eine Front von fast 2000 Kilometern Befestigungen zu bekommen, ohne einen scharfen Schuß abgefeuert zu haben. Meine Herren, wir haben tatsächlich dieses Mal mit der Propaganda im Dienste einer Idee (…) Millionen Menschen mit über 100.000 Quadratkilometern Land bekommen. Das ist etwas Gewaltiges.

Das eröffnet uns auch das Verständnis für die Siege Napoleons, der ja auch nicht nur als Stratege oder genialer Feldherr siegte, sondern dem vorauseilte die Marseillaise, die Ideen der französischen Revolution, der eigentlich auch zum Teil das erntete, was diese Revolution vorher gesät hatte. Aus all dem muß sich für uns aber eine grundsätzliche Erkenntnis ergeben: Die Presse, meine Herren, kann Ungeheueres erreichen und eine ungeheuere Wirkung ausüben, dann, wenn sie selber ein Mittel zum Zweck ist. Wir leben in einer Zeit, in der das Gegenteil absolut demonstriert wird. Wenn es in einem Staat 2400 Zeitungen gibt, und jede dieser Zeitungen macht auf Grund dieser journalistischen Gedankengänge ihre eigene Politik, so müssen diese 2400 Blätter sich selbst gegenseitig widerlegen. (…) Es ist eine fortgesetzte Selbstwiderlegung, die dort stattfindet: ein Beweis dafür, daß man in dieser modernen Zeit, in der die größten Kämpfe ausgefochten werden, einen Erfolg nicht erringen kann, wenn die wesentlichsten Schwerter, die man einsetzen kann, ich möchte sagen, selbstherrlich geführt werden, statt nach einem Kommando und nach einer Richtung hin zu schlagen.

Die Presse ist, wenn sie ein Mittel zum Zweck ist, ein ungeheueres Instrument. Sie wird dann auch gewertet, weil sie sich nicht zu widerlegen braucht, weil auch nicht die Zeitung B die Zeitung A und nicht die Zeitung C B und A widerlegen können. Sie wird in dem Moment, in dem sie davon abweicht, in dieser heutigen Zeit, in der so gewaltige Probleme zur Diskussion stehen, zur vollkommenen, ich möchte sagen, Bedeutungslosigkeit herabsinken, was wir auch in den anderen Ländern sehen. Ich habe das schon in meiner Jugend erlebt, meine Herren. Als ich als ganz junger Mensch zum ersten Mal die praktische Gestaltung der Geschichte eines Landes erlebte, (…) da waren (…) die Zeitungen ausschließlich liberal-demokratisch oder marxistisch orientiert (…). Das waren die großen Zeitungen und die Arbeiterzeitungen. (…) So gering war der Einfluß der Presse geworden. Sie wurde überhaupt nicht mehr beachtet. Sie schrieb, man las sie, aber sie hatte gar keinen Einfluß mehr. Es ist ähnlich heute auch in anderen Ländern, wo auch die, ich möchte sagen, die Volksmeinung, sich bestimmt zu kristallisieren beginnt und ganz andere Wege läuft, als die Presse es wahrhaben will oder etwa zum Ausdruck bringt. Ja, unser eigener Weg ist ja doch derselbe. Als ich die Macht in Deutschland errang, hatten wir vielleicht 5% der deutschen Presse in unseren Händen – wenn es 5 % waren. Noch nicht 5%, – 95% gegen uns. Aber die Macht habe ich bekommen, das Volk habe ich hinter mir! Daraus kann man ersehen, wie ungeheuer die Macht einer Presse sein kann, die als ein Instrument einer Führung dient, und wie belanglos eine Presse sein wird, die für sich selbst, ich möchte sagen, versucht, Geschichte und damit zuletzt Politik zu machen.

Wir selber haben versucht, in Deutschland die Presse zu einer solchen wirksamen Waffe auszugestalten. Und ich darf wohl (…) Ihnen allen aussprechen, daß ich mit diesem Versuch mehr als zufrieden bin. Die Wirksamkeit hat sich in glanzvoller Weise bewährt und erwiesen. Wir haben nun vor uns wieder ganz große Aufgaben. Über allem steht eine Aufgabe, meine Herren: Wir müssen jetzt mit allen Mitteln Schritt für Schritt das Selbstbewußtsein des deutschen Volkes stärken! Das ist eine Aufgabe, die nicht, das weiß ich, in einem oder in zwei Jahren erfüllt werden kann. Was wir benötigen, ist eine in sich gefestigte starke öffentliche Meinung, wenn möglich sogar noch hineinreichend in unsere intellektuellen Kreise. (…) Nur so, wissen Sie, wird auf die Dauer eine erfolgreiche Politik gemacht werden können. Wenn ich hier auch so sage: auf die Dauer, so meine ich ja nicht das Frühjahr (…) oder den Sommer, sondern ich meine nun die kommenden Jahrzehnte, vor allem aber naturgemäß schon die vor uns liegenden Jahre. Unser Volk muß mit jenem tiefen Selbstbewußtsein erfüllt werden, das in einer glückhaften Zeit einmal vielleicht den deutschen Soldaten erfüllte, (…). Jene selbstsichere Überzeugung, daß erstens in Deutschland das Volk selbst einen Wertfaktor darstellt und daß zweitens die Führung dieses Volkes richtig ist. Es ist dabei notwendig, daß wir bei dieser Erziehung zum Selbstbewußtsein besonders gegen alle Erscheinungen kämpfen, die ich selbst als auch den größten Feind der Wiederauferstehung genügend kennenzulernen Gelegenheit hatte: die Hysterie der Masse und hier besonders die Hysterie unserer intellektuellen Schichten. Man muß sich geradezu hier auf das breite Volk stützen, um gegenüber dieser überzüchteten, intellektuellen und hysterischen Schichte(n) (…) ein Gegengewicht zu halten. Nämlich, ich will Ihnen ein Beispiel sagen: Am … Februar dieses Jahres, (war) die Überzeugung in diesen intellektuellen Schichten: „Es geht nicht gut außenpolitisch, es geht gar nicht gut außenpolitisch!“ Ende Februar dieses Jahres: „Wir stehen vor Katastrophen! Katastrophenpolitik außenpolitisch, reine Katastrophenpolitik!“ Mitte März: „Ungeheuerer Sieg! Alles gewonnen, dank unserer Tapferkeit und unserem Einstehen! Alles in Ordnung! Deutschland unbesiegbar, eine Weltmacht usw.! (…) Bedauerlich, daß die Führung nicht gleich weiterging, die Führung war dieses Mal nicht ganz auf der Höhe! (…) Sie hätte linksum machen sollen und dann gleich weiteres aufrollen, das wäre doch alles möglich gewesen.“

Zwei Monate später: (…) „Für heuer ist das doch genug, man kann doch nicht schon wieder mit einem neuen Problem beginnen!“ Noch einen Monat später: „Das führt zu einer Katastrophe! Deutschland wird wirtschaftlich zugrunde gehen, wir gehen finanziell zugrunde! Man kann das weder bezahlen, noch kann man das menschenmäßig durchhalten.“ Noch eine Woche später: „Die ganze Welt gegen uns, wir stehen vor einem Weltkrieg!“ Wieder eine Woche später: „Wir stehen jetzt vor der Katastrophe, jetzt ist der Zusammenbruch da!“ (…) Glauben Sie mir, ich habe Zuschriften bekommen! (…) Ich habe einmal erlebt, daß ein Mann, der in einem Amt saß in Berlin, anläßlich einer Flottenverhandlung, wo er erklärte: „Diese Forderung von 35% ist ein heller Wahnsinn. Zu denken, daß die Engländer das jemals bewilligen, heißt nun die Engländer gänzlich verkennen. Das können sie gar nicht tun, das tun sie niemals. Das führt zum Zusammenbruch der deutsch-englischen Beziehungen, zur Isolierung Deutschlands. Die mühsam gewonnene – im Auswärtigen Amt war das (…) –, mühsam gewonnene deutsch-englische Verständigung wird damit auf das schwerste belastet.“ Dann finden die Verhandlungen statt; 35% werden bewilligt, 45% sogar für die U-Boot-Flotte; wenn wir es ankündigen, sogar 100%. Etwa drei oder vier Monate später mußte ich denselben Herrn dann endgültig aus dem Auswärtigen Amt hinauswerfen. (…) Ich habe Denkschriften bekommen, in denen mir schwarz auf weiß nachgewiesen wurde, daß das ja alles unmöglich sei, daß das zu Katastrophen führen müsse usw. usw. (…) Ja, meine Herren, wissen Sie: das ist die Hysterie unserer oberen Zehntausend! Und wir müssen besonders uns bemühen, daß diese Hysterie nicht in das Volk hineinkommt, so daß unser Volk und, wie gesagt, wenn möglich, sogar noch gewisse intellektuelle Schichten zu einer wirklichen selbstsicheren Zuversicht erzogen werden. Das ist mit eine Aufgabe der Presse, daß sie planmäßig das deutsche Selbstvertrauen stärkt und alles unterläßt, was irgendwie an diesem Selbstvertrauen, sagen wir vielleicht, nagen könnte, es zerstören könnte oder schwächen könnte.

Ich weiß ganz genau, daß mir nun von der einen oder anderen Seite gesagt wird, ja aber es gibt doch auch Probleme, die man kritisieren muß. Meine Herren, es gibt zwei Zielsetzungen. Zielsetzung A: Ich suche in ganz Deutschland herum, ob ich nicht etwas finde, was ich kritisieren kann. Wenn ich erst damit anfange, meine Herren, dann werde ich in kurzer Zeit ein förmliches Rüsselschwein sein (…). Es wird nämlich fortgesetzt Dinge geben, und ich werde mich immer tiefer hineinwühlen. Das ist auch eine Tätigkeit. Sie ist in meinen Augen nicht befriedigend. Es gibt noch eine andere Tätigkeit, die besteht darin, im Erkennen der uns gestellten großen Aufgaben. Ich überwinde die Kleinigkeiten nicht, indem ich allen diesen Kleinigkeiten nachlaufe, sondern indem ich die ganze Kraft der Nation für die großen Aufgaben zusammenraffe und diese großen Aufgaben löse. Denn in eben dem Maße, in dem ich diese gewaltigen Aufgaben löse, sinkt das Kleine zu einer unbedeutenden Lächerlichkeit zusammen. Kein Mensch redet mehr davon. Damit überwinde ich das auch. Man beachtet es eben gar nicht mehr, man sieht das nicht. Und endlich die menschliche Unzulänglichkeit: die hat man früher nicht aus der Welt geschafft; die Presse der liberalen Staaten hat es nicht fertiggebracht, wir werden es auch nicht fertigbringen. Menschen mit unzulänglichen Kräften und Veranlagungen, Charakterzügen usw. wird es immer geben, hat es gegeben, wir werden sie nicht aus der Welt schaffen. Viel wichtiger ist es aber, nicht das Auge der Öffentlichkeit auf diese Schwächemomente zu lenken, sondern sie auf den großen Kraftstrom der Nation hinzuweisen, der sich durch die Jahrhunderte und durch die Jahrtausende aufzeigt. Mir hat einmal ein Mann gesagt: „Hören Sie, wenn Sie das machen, dann geht Deutschland in sechs Wochen zugrunde.“ Ich sage: „Was verstehen Sie darunter?“ „Dann bricht Deutschland zusammen.“ Ich sage: „Was verstehen Sie darunter?“ „Dann hört Deutschland eben auf.“ … Das deutsche Volk hat einst die Kriege mit den Römern überstanden. Das deutsche Volk hat die Völkerwanderung überstanden. Das deutsche Volk hat dann die späteren großen Kämpfe des frühen und späten Mittelalters überstanden. Das deutsche Volk hat dann die Glaubenskämpfe der neueren Zeit überstanden. Das deutsche Volk hat dann einen Dreißigjährigen Krieg überstanden. Das deutsche Volk hat dann später die Napoleonischen Kriege, die Freiheitskriege, es hat sogar einen Weltkrieg überstanden (…)!

Wir müssen es fertigbringen, unser Volk aus unserer eigenen Geschichte heraus und aus unserem Glauben heraus mit der Zuversicht zu erfüllen, die notwendig ist, um die späteren großen politischen Aufgaben durchführen zu können. (…) Wenn ich hinter mir ein Volk habe, das selbst glaubensschwach ist, wie will ich denn dann überhaupt auf die großen uns in der Zukunft nun bevorstehenden Aufgaben eingehen? Es genügt nicht, daß ich daran glaube, sondern es ist notwendig, daß ich hinter mir ein glaubensstarkes, geschlossenes, selbstsicheres, zuversichtliches deutsches Volk habe. Das zu erzielen ist unsere gemeinsame gewaltige Arbeit und Aufgabe, und es ist eine wunderbare Aufgabe. (…) Und heute sind wir doch wirklich in der wunderbaren Zeit, von der wir sagen können, daß in ihr wirklich Geschichte gemacht wurde; daß wir die Zeit nicht vergeudet haben, daß man sich nicht ausgeschrieben hat für Dinge, die keinen Wert haben, am Ende bloß damit man eben schreibt oder daß man redet, bloß damit man geredet hat. Das alles hat doch zu einem Ergebnis geführt, und zwar das geschichtliche Ergebnis, mit dem wir aufwarten können früheren Generationen gegenüber, meine Herren! Und das ist unsere gemeinsame Leistung, nicht nur die meine allein, sondern die Leistung all der Hunderttausende, die hinter mir stehen und mit mir marschieren und das Volk letzten Endes repräsentieren (…). Es ist daher notwendig, daß wir uns bemühen, die Kraft im deutschen Volk dadurch zu erwecken, daß wir das Vertrauen zu dieser Kraft stärken, daß wir dadurch auch eine Stabilität hineinbringen in die Beurteilung der politischen Probleme. Ich habe, das muß ich Ihnen noch dazu sagen, oft ein einziges Bedenken, und das ist folgendes: Wenn ich so die intellektuellen Schichten bei uns ansehe, leider, man braucht sie ja; sonst könnte man sie eines Tages ja, ich weiß nicht, ausrotten oder so was (…) Aber man braucht sie leider. Wenn ich mir also diese intellektuellen Schichten ansehe und mir nun ihr Verhalten vorstelle und es überprüfe, mir gegenüber, unserer Arbeit gegenüber, dann wird mir fast angst. Denn seit ich nun politisch tätig bin (…), habe ich nur Erfolge.

Und trotzdem schwimmt diese Masse herum in einer geradezu oft abscheulichen, ekelerregenden Weise. Was würde denn geschehen, wenn wir nun einmal einen Mißerfolg hätten? Auch das könnte sein, meine Herren. Wie würde dieses Hühnervolk denn dann sich erst aufführen? Die sind schon jetzt, da wir doch überhaupt nur Erfolge haben, und zwar weltgeschichtlich einmalige Erfolge, unzuverlässig. Wie würden sie aber erst sein, wenn wir einmal einen Mißerfolg hätten? Meine Herren, es war früher mein größter Stolz, eine Partei mir aufgebaut zu haben, die auch in den Zeiten der Rückschläge stur und fanatisch hinter mir stand, gerade dann fanatisch hinter mir stand. Das war mein größter Stolz und bedeutete für mich eine ungeheure Beruhigung. Dazu müssen wir das ganze deutsche Volk bringen. Es muß lernen, so fanatisch (…) zu glauben, daß, selbst wenn wir einmal Niederlagen erleiden würden, die Nation sie nur, ich möchte sagen, von dem höheren Gesichtspunkt aus wertet: Das ist vorübergehend; am Ende wird uns der Sieg sein! Es ist ein preußischer Feldherr gewesen, der vielleicht am allerschärfsten diesen Charakterzug ausprägte: Blücher, der Mann vielleicht der meisten Niederlagen, aber des fanatisch festen Glaubens (…), und das war das Entscheidende. Dazu müssen wir unser ganzes Volk erziehen. Es muß erzogen werden zu dem absoluten, sturen, selbstverständlichen, zuversichtlichen Glauben: Am Ende werden wir alles das erreichen, was notwendig ist.

Das kann man nur dadurch schaffen, das kann nur gelingen durch einen fortgesetzten Appell an die Kraft der Nation, durch das Hervorkehren der positiven Werte eines Volkes und durch das möglichste Außerachtlassen der sogenannten negativen Seiten. Dazu ist es auch notwendig, daß gerade die Presse sich ganz blind zu dem Grundsatz bekennt: Die Führung handelt richtig! Meine Herren, wir alle müssen für uns in Anspruch nehmen die Genehmigung, Fehler zu machen. Auch Zeitungsmenschen sind von dieser Gefahr nicht befreit. Aber wir alle können nur bestehen, wenn wir der Welt gegenüber nicht gegenseitig die Fehler beleuchten, sondern wenn wir das Positive beleuchten. Das heißt mit anderen Worten, es ist notwendig, daß – ohne überhaupt die Möglichkeit von Fehlern zu bestreiten oder auch des Diskutierens – es ist notwendig, daß grundsätzlich die Richtigkeit der Führung immer betont wird. Das ist das Entscheidende. Vor allem, wissen Sie, das ist notwendig des Volkes wegen; denn ich höre so oft, auch heute noch – das sind so liberalistische Rückfälle – die Frage, die mir vorliegt: „Ja, soll man das nicht etwa doch jetzt einmal dem Volk anheimstellen?“ Ja, meine Herren, wissen Sie, ich bilde mir nun ein, daß ich einiges geleistet habe, jedenfalls mehr als mancher Schuhmacher und manche Kuhdirn. Trotzdem kann es natürlich sein, daß ich mit anderen (…), die ebenfalls viel geleistet haben, über die Beurteilung eines Problems nicht ganz einig werde. Sicher ist aber, daß eine Entscheidung nun gefällt werden muß. Ganz unmöglich ist es, daß ich die Fällung dieser Entscheidung, über die wir alle nicht ganz ins klare kommen, die dann den Sennerinnen und den Milchbauern und den Schuhmachern in die Finger gebe. Das ist unmöglich. Es spielt daher auch gar keine Rolle, ob eine solche Entscheidung letzten Endes ganz richtig ist, das ist gänzlich uninteressant; entscheidend ist, daß hinter eine solche Entschließung die ganze Nation wie eine geschlossene Truppe tritt. Das muß eine Front sein, und was dann an der Entscheidung nicht ganz richtig ist, wird gut gemacht durch die Entschlossenheit, mit der die ganze Nation dahinter steht.

Das ist wichtig in den kommenden Jahren, meine Herren! Nur so werden wir das Volk, ich möchte sagen, von einem Zweifel befreien, der das Volk nur unglücklich macht. Die breite Masse will ja gar nicht damit belastet werden. Die breite Masse hat einen einzigen Wunsch: daß sie gut geführt wird, und daß sie der Führung vertrauen kann und daß die Führung selber nicht streitet, sondern daß diese Führung geschlossen vor sie hintritt. Glauben Sie mir, ich weiß es ganz genau, im deutschen Volk wird nichts mit einer größeren Freude gesehen, als wenn ich (…) nun auf der Straße gehe, und da stehen nun neben mir alle meine Mitarbeiter, und das Volk sagt: „Das ist der und das ist der und das ist der und das ist der.“ Und die Menschen fühlen sich so geborgen bei dem Gedanken: die halten alle zusammen, (…) das sind unsere Idole. Vielleicht wird mancher Intellektuelle das gar nicht begreifen. Aber diese kleinen Menschen draußen, die sehen in all den Leuten, die da vor ihnen auftreten, irgendwie ein Objekt ihres Vertrauens. An die Leute hängen sie sich, (…) das beruhigt die Menschen derartig und macht sie so glücklich! Sie wollen das eben! Das war auch früher in der deutschen Geschichte so. Das Volk ist immer glücklich, wenn einige so zusammenhalten oben, das erleichtert auch dem Volk unten das Zusammenhalten. Das müssen wir aber im ganz Großen verstehen, daß wir alles tun müssen, um dem Volk diesen Eindruck zu erhalten und zu bewahren. Es muß die Überzeugung bekommen, daß die Führung oben richtig handelt und daß hinter dieser Führung alle stehen. Dann ist es auch der Führung psychologisch der Umwelt gegenüber sehr leicht, in kritischen Situationen sich durchzusetzen.

Wie ich überhaupt zusammenfassend nur eines sagen möchte, meine Herren: In den liberalen Ländern wird die Mission der Presse so aufgefaßt, daß es heißt: Presse plus Volk gegen Führung. Und bei uns muß es heißen: Führung plus Propaganda und Presse usw. vor dem Volk. Das alles ist Führung des Volkes. Jeder einzelne ist hier ein führendes Glied des Volkes und hat sich dafür verantwortlich zu fühlen. Jeder einzelne hat diese höheren Führungserkenntnisse grundsätzlich in sich aufzufassen. Was auch vielleicht untereinander besprochen wird, vor dem Volk ist diese Führung ein einziger Block, eine einzige geschlossene Einheit, ganz gleich ob der eine jetzt hier Propaganda macht, der andere bei der Presse, ein dritter wieder in Versammlungen, ein vierter wieder als Führer, meinetwegen, vor politischen Organisationen steht, ein fünfter wieder als Führer vor irgendeinem Truppenkörper steht, ein sechster wieder in einem Amt Dienst tut oder vor dem Ausland die Nation zu vertreten hat, das alles ist die Führung des deutschen Volkes, und vor dem Volk selber hat diese Führung wie eine verschworene Gemeinschaft aufzutreten. Untereinander, da können Meinungen ausgetauscht werden. Vor dem Volk, da gibt es überhaupt nur eine Meinung. Meine Herren, das ist ein ganz deutlicher Grundsatz! Wenn wir den ganz durchsetzen, dann wird durch diese Führung das deutsche Volk groß und mächtig werden. Dann stehen wir nicht jetzt (…) am Ende einer geschichtlichen Epoche, sondern dann stehen wir sicherlich erst am Beginn einer großen Geschichtsepoche unseres Volkes.

Wer an der Zukunft (…) zweifelt oder an diese Zukunft nicht glaubt, der ist nur selber ein Schwächling. Ich glaube bedingungslos an diese Zukunft. Wir sind einmal das größte Reich gewesen. Wir sind dann ermattet und erschlafft, in einem inneren Auflösungsprozeß haben wir die Kräfte verbraucht und sind nach außen damit abgesunken. Nun ist nach einer vielleicht 400-jährigen, 300-jährigen Krise die Wiedergenesung unseres Volkes eingetreten. Und ich weiß ganz genau, wir stehen jetzt am Beginn unseres deutschen Lebens und damit der deutschen Zukunft. Diese Zukunft vorzubereiten, ja mitzugestalten, helfen zu dürfen, daß diese Zukunft sich verwirklicht, muß für uns alle das größte Glück sein. Es muß uns erfüllen mit der tiefsten Befriedigung, demgegenüber tritt alles andere zu einem wesenlosen Nichts zurück. Diese Überzeugung hat mich einst aus einem Lazarett heraus- geführt, bis zu dem Augenblick, in dem ich jetzt vor Ihnen stehe. Und diese Überzeugung muß uns alle gemeinsam erfüllen auf dem weiteren Weg unseres deutschen Volkes, von dem ich überzeugt bin, daß er ein Weg in die Größe sein wird, ein Weg in eine große Zukunft unserer deutschen Nation. Ich möchte Ihnen noch einmal danken für Ihre Mitarbeit.«

Abschrift des Audio-Mitschnitts einer Rede Adolf Hitlers am 10. November 1938 vor rund 400 Journalisten im „Führerbau“ in München*

* Kürzungen durch die Redaktion

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– frei nach Felix von Leitner