Die Fakten liegen unter dem Tisch

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Hannah Arendt prägte einmal den nicht nur ihre Erfahrungen mit dem Umgang der Deutschen mit ihrem kollektiven Wahn des Nationalsozialismus auf den Punkt bringenden Satz: »Der wohl hervorstechendste und auch erschreckendste Aspekt der deutschen Realitätsflucht liegt in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als handele es sich um bloße Meinungen.«

Sollte diese Feststellung einmal den Tatsachen entsprochen haben, so muss sie zumindest heute korrigiert werden zu der Feststellung: »Der wohl hervorstechendste und auch erschreckendste Aspekt der deutschen Realitätsflucht liegt in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als gäbe es sie nicht.« Es ist jedoch nicht fernliegend anzunehmen, dass sich Hannah Arendt schlicht getäuscht hat, denn die Meinungen der Deutschen sind in der Regel entfernter von Tatsachen als nur irgendetwas.

Der gemeine Deutsche ist gern obrigkeitshörig. Er ist ganz versessen auf Anweisungen und Befehle. So ein gut geschnarrter Befehlston oder ein schlichtes behördliches Schreiben mit klaren Anweisungen und kryptischen Begründungen, gepaart mit mehr oder weniger versteckten Erpressungsandeutungen für den unwahrscheinlichen Fall auch nur des Gedankens an Ungehorsam, erweckt ihn ihm einen wohligen Adrenalinschauer, während die umgehende Ausführung des Befehls das deutsche Kleinhirn Glückskekse in einer Menge backen lässt, welche, wenn schon nicht waffenscheinpflichtig, doch zumindest verschreibungspflichtig sein müssten. Ob nun ein solcher Befehl von einem durch das Gesetz tatsächlich Befugten erteilt wird oder vom Hauptmann von Köpenick ist dem Deutschen ebenso egal wie die Frage, ob ein solcher Befehl tatsächlich auf einem Gesetz beruht oder sich ein Amtsträger einfach nur einen kleinen und für den Deutschen selbstverständlich kostenpflichtigen Spaß am Rande machen möchte. Hauptsache ein Befehl. Und ein Befehl ist eben ein Befehl. Ausgehend vom chinesischen Begriff 命令 (Mingling) für den Befehl, ist der Deutsche eben ein Mingling unter Minglingen. Und wo wohnen Minglinge? In Minglingen. Der Befehl ist des Deutschen Reinnatur.

Vor die Wahl gestellt, das Gesetz zu befolgen oder dem Befehl zu gehorchen, wählt der typische Deutsche grundsätzlich den Befehl. Schon aus dem Grunde, dass seine Befähigung zum Verständnis von Gesetzestexten so ziemlich gegen minus einhundert Prozent tendiert, was ihn jedoch niemals daran hindert, sich darauf zu berufen, er sei absolut gesetzestreu. Wenn der Deutsche glaubt, in einem Gesetz stünde, er müsse zum Mond fliegen, um mit seinen Exkrementen nicht den deutschen grünen Rasen zu beschmutzen, wird er entweder alles daran setzen, eine Reise zum Mond zu buchen, oder er scheißt sich stolz in die Hosen. Immerhin hat er alles versucht, um den Befehl auszuführen. Auf die Idee, in ein Gesetzbuch zu schauen, um sich vom Vorhandensein einer solchen Anweisung zu überzeugen – also den Tatsachen zu folgen – wird der Deutsche nicht kommen. Es ist ihm sozusagen wesensfremd, seine Vorstellung von der Wirklichkeit von der Realität auch nur theoretisch streifen zu lassen.

Ja, der Deutsche wird selbstverständlich jammern, was er so alles auf Befehl zu tun und zu lassen hat. Konfrontiert man ihn aber mit dem Widerspruch zwischen seiner kleinen Wirklichkeit und der großen ihm geistig fernen Realität, in welcher er sich dem Befehl einfach widersetzen kann, dann ist er der erste, der die Zustände, über die er eben noch jammerte, verteidigen wird bis aufs Blut; das der anderen selbstverständlich. Der Deutsche ist ein freiwilliger Gefangener. Gib ihm den Schlüssel zur Freiheit und er wird ablehnend aber fordernd fragen, wer ihm morgen das kärgliche Almosen zur Speisung in den Mund steckt, für ihn schluckt und verdaut und ihm das Ticket zum Mond besorgt. Das Stockholm-Syndrom ist wohl eigentlich eine deutsche Erfindung.

Dies ist jedoch nur eine Seite des Eisernen Kreuzes, denn so, wie sich der Deutsche zum Befehlsempfänger eignet, ist er gleichwohl auch liebend gern Befehlsgeber gegenüber anderen seiner Gattung; um den gerade von kleinhirnigen Deutschen oft missverstandenen Begriff der Rasse nicht zu verwenden, wo doch eine Rasse rangmäßig noch unterhalb einer Art rangiert, welche wiederum untergeordneter Bestandteil der Gattung ist. Dies dem Deutschen bewusst, würde er sich wohl umgehend vom Begriff der Rasse distanzieren wollen. Rassen sind nämlich im Gegensatz zu Gattungen wissenschaftlich nicht objektivierbar, sie beruhen lediglich auf Konvention, also einem kollektiven Glauben. Es handelt sich dabei um Kategorien des Denkens, soweit diese Fähigkeit überhaupt vorhanden ist, und nicht etwa um Einheiten der Evolution. Alle rassistischen Theorien basieren jedoch in regelmäßiger Verkennung der Realität und wahnhafter Falscheinschätzung verkleidet als Selbstüberschätzung darauf, Rassen nicht als Abstraktion, sondern als Realität aufzufassen. So ist das eben, wenn der Wunsch der Vater des deutschen Gedankens ist. Da hält man sich für etwas Besseres und definiert sich der Wirklichkeit angemessen als unterbelichtet. Deutsch eben. Nie hinterfragen, bloß ausführen, was einem befohlen wird.

Der Deutsche ist, wohl als Ausgleich seines dysfunktionalen Realitätsbewusstseins als Befehlsempfänger, was an sich auf Abwesenheit eines Bewusstseins an sich schließen lässt, völlig versessen darauf, den dadurch erzeugten Druck wieder loszuwerden. Dazu bedient er sich des Mittels der negativen Projektion. In der Regel führt ein geschnauzter Befehl beim Deutschen zu den oben beschriebenen Reaktionen der umgehenden Befehlsausführung. Befindet sich der Deutsche jedoch in einem Kollektiv von Befehlsempfängern, ist er also unter seinesgleichen, so wird eine bemerkenswerte Eigenart auffällig: Er wird sich jemanden suchen, den er davon überzeugen kann, dass der eigentlich an ihn gerichtete Befehl in Wirklichkeit an den anderen gerichtet und er »nur« der Überbringer ist.

Diese Eigenart hat zunächst mit der nur wenig unter der Oberfläche deutscher Wesenart vor sich hinsichenden Faulheit des Deutschen zu tun. Er hat einfach keine Lust zum Arbeiten und lässt lieber andere seine Arbeit verrichten. Natürlich gibt er das nie offen zu, aber hinter den meisten scheinbaren Tätigkeiten des Deutschen verbirgt sich nur ungeschickt getarnt purer Aktionismus ohne auch nur den Anschein von Sinn und Verstand. Man simuliert Arbeit und das sehr schlecht, aber für die ebenso irrationale Überzeugung der anderen völlig ausreichend.

Dies wiederum ist eine direkte Folge deutscher Realitätsverweigerung. Der Deutsche lebt lieber mit dem Schein der Realität als in dieser. Dies enthebt ihn zusätzlich von jedem noch so rudimentären Verständniszwang und erlaubt ihm, seine kruden Phantasien anderen für ihre Realität zu verkaufen. Der echte Deutsche ist ein schlechter Schauspielerschauspieler. Aber im Reich der Dummheit ist der Dümmste König. Das Bemerkenswerte an diesem Unsinn ist, dass das Spiel funktioniert – solange alle mitspielen. Tödlich wird es, wenn jemand die Nase voll hat und den Dienst quittieren will. Dann betreten die von – selbstverständlich deutschen – Richtern erfundenen Rechtsfiguren des »Menschen minderen Rechts« und des »bürgerlichen Todes zu Lebzeiten« unter tosendem Beifall der anderen Protagonisten und Zuschauer die Bühne: »Verräter! Hängt ihn auf, die alte Sau!«

Nichts ist dem Deutschen lieber als die Forderung nach der Anerkennung seiner Wirklichkeit durch andere – bei gleichzeitiger und äußert vehement zur Schau getragener Ablehnung auch nur der Spur des Hinterfragens dieser, seiner Wirklichkeit auf Spurenelemente einer objektiven Realität. Da draußen in den Weiten des Universums ist nichts – außer des Deutschen Ignoranz.

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– frei nach Felix von Leitner