Hartzsoldaten

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Wohin auch das Auge blicket,
Hass und Willkür nur ringsum.
Guter Lohn uns nie erquicket,
Menschen stehen fahl und stumm.
Wir sind die Hartzsoldaten
und warten auf den Gnadenbeschluss.

Hier in dieser öden Heide
ist das Lager aufgebaut,
wo wir fern von jeder Freude
vor der andren Welt verstaut.
Wir sind die Hartzsoldaten
und warten auf den Gnadenbeschluss.

Morgens ziehen die Kolonnen
in das Amt zum Betteln hin,
warten bei dem Brand der Sonnen,
doch nach Würde steht ihr Sinn.
Wir sind die Hartzsoldaten
und warten auf den Gnadenbeschluss.

Heimwärts, heimwärts! Jeder sehnet
sich nach Eltern, Weib und Kind.
Manche Brust ein Seufzer dehnet,
weil wir hier gefangen sind.
Wir sind die Hartzsoldaten
und warten auf den Gnadenbeschluss.

Auf und nieder gehn die Posten,
keiner, keiner kommt hier raus.
Widerstand wird Leben kosten.
Drei Sanktionen löschen´s aus.
Wir sind die Hartzsoldaten
und warten auf den Gnadenbeschluss.

Doch für uns gibt es kein Klagen.
Ewig kann´s nicht Winter sein.
Einmal werden froh wir sagen:
Leben, du bist wieder mein!
Dann warten Hartzsoldaten
nicht mehr auf den Gnadenbeschluss!

(Nach „Moorsoldaten“ Esser, Langhoff, Goguel, 1933, KZ von Börgermoor/Emsland)

Text: Hans am Ende

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