Warum protestiert eigentlich niemand?

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Ein polemisches Angebot:

Das Opfer der Machenschaften unserer deutschen Regierung/en, also der Bürger, hat weder Ahnung von den Hintergründen, noch will er eine Ahnung über die Hintergründe haben. Wenn er in ein Gesetz schaut, dann legt sich ein Grauschleier über den Restgeist und er fragt einen Anwalt, der ihm den allerletzten Rest der Denksimulation auch noch austreibt. Seine Rechte definiert er (fast) ausnahmslos aus haltlosen Ansprüchen, für deren Erfüllung er aber nichts tun möchte. Schlaraffenland eben.

Ja, ich höre bereits den Aufschrei der politisch hochaktiven Massen: »Wir haben doch …! Wir machen doch …!« Etc.pp. Alles geschenkt! Weil es nicht wahr ist.

Nehmen wir zunächst unsere »Netzgemeinde«: Diese besteht aus ca. 20 selbst erklärten Gurus, 200 einigermaßen gebildeten Autoren und ca. 2.000 einigermaßen gebildeten Lesern, 20.000 Mitläufern sowie ca. 2.000.000 Klickweltmeistern und hält sich für das Maß der Dinge im Netz.

Dieses Maß dieser Dinge besteht im hauptsächlichen Insistieren auf die grenzenlose Freiheit zur kostenlosen Verwertung des geistigen Eigentums anderer mit der Hoffnung auf ein wenig Flattrhonorar für die eigenen überaus wichtigen Beiträge im Kampf gegen die Mainstreammedien – hier mit dem Ergebnis, dass sich Onlineblogs langsam genauso lesen wie SPON–, gepaart mit pseudopolitischen Metaphern wie »Bürgerrechte«, selbstverständlich nicht einmal wissend, was das ist und dass es hier um Grundrechte geht, deren einer Bestandteil auch die Bürgerrechte sind. Es darf weiterhin auch ein bisschen Mode, Kunst und Ambiente sein. Es sollen sogar schon wichtige Webseiten gefunden worden sein, aber das halte ich eher für das letzte Gerücht.

Die Schwarmintelligenz am iPad, iPhone auf dem iKlo. Wo BILD noch wenigstens 5 Worte pro Satz braucht, reichem dem echten Vogel nur noch 140 Zeichen für das große Schweigen im Walde.

Nehmen wir weiterhin die Offlinegemeinde: Ein millionengroßer Haufen von Biotonnen, welche sogar ihre Notdurft von jemand anderem verrichten lassen würden, wäre es möglich. Weder den Anspruch zum Wissen noch die Lust, auch nur den geringsten Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Hauptsache, die Frisur sitzt.

Beiden Herden ist eines gemeinsam: Sie bitten die Täter »da oben« um Nachsicht gegenüber sich selbst als Opfer, anstatt auch nur zu versuchen, mit Wissen – und damit meine ich echtes Wissen, z.B. zu den Fragen: Was ist Macht? Was hält eine Gesellschaft im Inneren zusammen? Wie werden Ordnungen erstellt und aufrechterhalten? – ihre angeblich so schwere Situation zu ändern. Beide pinseln sich die Bäuche und halten sich für das Non plus Ultra.

Keine von beiden Herden interessiert sich auch nur ansatzweise, wie der Laden läuft. Auf die Information, dass die Presse gelenkt wird: »Ja, wissen wir. Und nun?«. Auf die Information, dass Rauben und Morden im Auftrag des Staates straflos sind und es nicht mal den Straftatbestand des Amtsmissbrauches gibt: »Ja und? Was soll ich jetzt damit anfangen?« Auf die Information, dass die Staatsorganisation offen mit Unterdrückung arbeitet: »Ja, ich weiß. Aber was soll ich denn machen?« Selbst die Information, dass ihre Einkommen- und Lohnsteuern im »demokratischen Rechtsstaat Bundesrepublik Deutschland« heute noch auf der Grundlage des immer noch angewendeten Einkommensteuergesetzes vom 16.10.1934 mit der Unterschrift von Adolf Hitler exekutiert werden, kommt: »Ja und? Der hat doch auch die Autobahnen gebaut; es war doch nicht alles schlecht!«

»Der wohl hervorstechendste und auch erschreckendste Aspekt der deutschen Realitätsflucht liegt in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als handele es sich um bloße Meinungen.« Hannah Arendt, Nach Auschwitz. Essays & Kommentare 1

Dazwischen die kleine Schar der einsamen Rufer in der Wüste mit Lösungsansätzen, welche weder von der einen noch der anderen Horde Hilfe erwarten können. Im Gegenteil: Allein im Regen stehen gelassen, während die anderen hinter der Litfaßsäule warten, und damit dem Mißerfolg ausgerechnet von denen ausgeliefert werden, welchen sie eigentlich helfen wollten, müssen sie sich exakt von denen noch anhören: »Siehste, ich hab Dir doch gleich gesagt, es geht nicht.«

Bitte keinen von diesen Leuten um Zusammenarbeit: Keine kleine Schanze. Nada! Die Ausreden sind so erhellend wie eine Mondfinsternis.

An der Spitze stehen dann die eigentlichen Täter und wissen – wie schon Adolf Hitler in seinem Machwerk mit dem Begriff »Stimmvieh« bemerkte: Mit einem derart denkfaulen und trägen Volk wie den Deutschen konnte man nicht nur den Nationalsozialismus alter Schule exekutieren, sondern kann man heute die gleichen Strukturen dazu verwenden, um die Menschen zu verwerten bis über den Tod hinaus. Die Scheiße riecht nicht mehr so schlimm – sie riecht nach Chanel. Und zu ihrer Produktion und Verwertung wird man gezwungen. Und wer die meisten Opfer zur Produktion und Verwertung von Scheiße zwingt, ist der König im Lande und wird von den gleichen Scheißearbeitern und Scheißekonsumenten hofiert, über welche er lacht, weil er ihnen jeden Tag erzählen kann: »Im Himmel ist Jahrmarkt. Ruf! Mich! An!«

Dazu eine einfache Beispielfrage ausgehend von mindestens 8 Millionen Opfern der sogenannten Sozialpolitik, also mindestens 10 Prozent der Bevölkerung: Weshalb sehen sich nicht 1 Prozent davon, also 80.000 Opfer in der Lage, eine ganze Woche vor dem Bundestag Änderungen zu fordern? 80.000 Menschen ein Woche lang und das Land muss sich ändern! Verhungern können sie auch dort und dies wesentlich wirkungsvoller und öffentlichkeitsaufmerksamer als zu Hause.

Und dann werden wir sehen, ob unsere Regierung hier die gleichen Maßstäbe ansetzt wie bei der Ukraine, bei Russland und all den anderen undemokratischen Schurkenstaaten.

Das Schlimme: Es ist leider zu spät. Denn nun wir haben nichts mehr zu verlieren.

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