Hartz V für die Wirtschaft Freier Arbeitsmarkt für freie Unternehmer!

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Ich bin ein Freund des freien Marktes. Wirklich. Bei aller Gesellschaftskritik, welche ich in den vergangenen 20 Jahren publiziert habe, könnte ein eiliger Schlagzeilenleser durchaus auf den Gedanken kommen, ich sei so etwas wie ein verkappter Kommunist.

Aber nein, ich bin ein vehementer Verfechter des freien Wirtschaftsmarktes!

Nehmen wir als Beispiel das allgemein verhasste Sozialsystem für Erwerbsfähige in Deutschland, auch als Hartz IV oder Sozialschmarotzerhängematte bekannt. Ich finde das wirklich gut. Ich finde sogar, dass man dieses System ausbauen sollte bzw. ausbauen muss! Und nicht nur das! Im Sinne der Gleichheit vor dem Gesetz plädiere ich für eine rigorose Verschärfung dieses Systems mit allem Zipp und Zapp.

Wie funktioniert Hartz IV?

Vater Staat gibt einem durch Leistungsbescheid amtlich anerkannten Hartzer jeden Monat einen Geldbetrag von ungefähr 2.000 Euro. Für lau. Für umme. Einfach so.

Von dieser Summe darf der Hartzer ca. 400 Euro für seinen täglichen Bedarf ausgeben, also für Essen, Trinken, Kleiden, Waschen, Föhnen, sowie ca. 500 Euro für die Begleichung der Miete.

Mit den übrigen 1.100 Euro und in der monatlich zur freien Verfügung stehenden Vollarbeitszeit muss der Hartzer mit einem beträchtlichen administrativen Aufwand irgendeinen Unternehmer am freien Markt dazu bringen, sich diese 1.100 Euro schenken zu lassen. Der Unternehmer muss dafür nur so tun, als würde er den Hartzer auf eigene Kosten beschäftigen oder als würde er dem Hartzer etwas Sinnvolles beibringen, was den Hartzer wiederum bei der weiteren Suche nach Interessenten für kostenlose und zinsfreie Subventionen von Vater Staat unterstützt.

Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld?

Zunächst einmal holt sich Vater Staat diese 2.000 Euro für jeden Hartzer aus dem allgemeinen Abgabenaufkommen. Jeder Hobbymathematiker weiß, dass Vater Staat bei 19% Umsatzsteuer ca. 24 Umläufe braucht, um jeden Euro zu mehr als 99% in sein Eigentum zu überführen. Pro Tag ein Umlauf und nach einem Monat gehört Vater Staat der entsprechende Euro.

Der Hartzer wiederum verteilt diese Subventionen über den ganzen Monat getarnt als Miete und Lebenserhaltungspauschale sowie als indirekte Arbeitgebersubvention im ganzen Land. Und hier liegt das Geheimnis verborgen; im ganzen Land. Der Hartzer verteilt die ihm von Vater Staat geschenkten Pauschalen nämlich ausschließlich in Deutschland, da er in der Regel weder über Finanzen verfügt, welche er im Ausland anlegen kann, noch dieses Ausland betreten darf ohne Genehmigung von Vater Staat.

Kehren also die 2.000 Euro Stammkapital zu Vater Staat nach 24maligem Umlauf im Währungskreislauf zurück, so verteilt Vater Staat dieselben 2.000 Euro wieder an den Hartzer. Gäbe es nur einen Hartzer und würde man für diesen spezielle 2000 Geldscheine mit einem jeweiligen Nennwert von 1 Euro drucken und jeden dieser Scheine mit einem z.B. gelben HIV markieren, so wäre diese Feststellung simpel. Vater Staat hat also nicht einmal einmal investiert, sondern holt sich das Geld von den Bürgern, gibt es dem Hartzer und wartet wie die Spinne im Netz auf die Rückkehr »seines« Kapitals, um dieses wieder dem Hartzer zu geben.

Der Staat muss für die Finanzierung dieser Subventionen also weder Kredite aufnehmen noch zusätzliches Geld drucken. Es bedarf lediglich der Anweisung der einmaligen Entnahme aus dem allgemeinen Abgabenaufkommen und des stetigen Wechsels des Besitzers. Ein Auto, welches zehnmal den Besitzer wechselt, existiert auch nicht zehnmal. Und wechselt das Auto diese zehnmal zwischen zwei Besitzern, wird es auch nicht zu zwei Autos oder mehr, und der jeweilige Besitzer hat jeweils nur ein Auto.

Fakt ist demnach, dass die 2.000 Euro, mit denen der Hartzer selbst subventioniert wird, Vater Staat nicht nur nichts kosten, sondern er bekommt die für ihn kostenlose Arbeitskraft des Hartzers von diesem freiwillig zur Verfügung gestellt, damit der Hartzer das Geld als versteckte Subvention in die Wirtschaft tragen kann. Der Hartzer als Subventionshehler für Vater Staat.

Das ist im Prinzip staatliche Geldwäsche zugunsten der Wirtschaft, die an diesem Subventionstropf hängt wie der Junkie an der Nadel.

Hartz für alle!

Aber dieses Marktprinzip kann nicht als frei gelten, da es ausschließlich den Hartzer sanktioniert im Falle seiner Weigerung, die aus Gründen des Überlebens freiwillige Selbstverpflichtung zur Subventionshehlerei, auch Eingliederungsvereinbarung genannt, zu erfüllen.

Nun könnte man einwenden, dass eine – oft von Marxverstehern geforderte – Unterlassung der Sanktionierung sowohl den Hartzer als auch den Markt befreien müsste.

Weit gefehlt! Unterbleiben nämlich die Sanktionen gegen den Hartzer, ist laut gängiger Tagespolitik unbedingt damit zu rechnen, dass sich dieser mit den ihm treuhändisch übergebenen Subventionen aus dem Staub macht, um die balearischen Strände auf Restlebenszeit zu annektieren. In diesem Falle müsste Vater Staat die Wirtschaft direkt subventionieren und allen würde auffallen, dass es keinen freien Markt gibt, sondern eine schöne Planwirtschaft zugunsten bestimmter Wirtschaftsbereiche und zu Händen einiger weniger Profiteure zu Lasten der erwerbsfähigen Bevölkerung.

Deshalb schlage ich ein simples Modell vor: Vater Staat weitet die in der Politik als Treibstoff der individuellen Entwicklung beliebten Sanktionen (Fordern und Fördern) auf die Wirtschaftsunternehmen aus und garantiert somit allen am Wirtschaftsleben Beteiligten den freien und unbegrenzten Zugang zu dem mit dem Prinzip des Forderns und Förderns verbundenen Heilsversprechen.

Ein solches Modell wäre in der Realität sehr einfach um- und durchzusetzen: Jedes Unternehmen, welches sich weigert, den Hartzer als Subventionshehler zu einem Arbeitslohn einzustellen, der es dem Hartzer erlaubt, sein Leben ohne Subventionen fristen zu können, wird als erste Stufe mit einer Sanktion in Höhe von 30% des aktuellen Geschäftswertes pro Monat für einen Zeitraum von drei Monaten belegt. Weigert sich das Unternehmen weiterhin den Hartzer einzustellen, so folgt eine sechsmonatige Sanktion in Höhe von monatlich 60% des aktuellen Geschäftswertes. Unterbleibt auch hier die Teilnahme an der Mitwirkungspflicht durch das Unternehmen, so folgt eine Sanktion in Höhe von 100% des aktuellen Geschäftswertes bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen seiner Mitwirkungspflicht nachkommt. Der Zeitraum von verschiedenen Sanktionen kann sich überschneiden. Während des Zeitraumes aller Sanktionen unterliegt das Unternehmen jedoch weiterhin seiner gesetzlichen Mitwirkungspflicht. Droht dem Unternehmer durch diese Praxis die Insolvenz und »seinen« Arbeitnehmern die unbezahlte Erwerbsfähigkeit, so kann Vater Staat deren persönliches Überleben durch die Vergabe von Lebensmittelgutscheinen sichern und ihnen die Gewissheit geben, in sehr naher Zukunft selbst als Subventionshehler für Vater Staat arbeiten zu dürfen.

Auf diese Weise bildet das mit allen staatlichen Mitteln durchgesetzte Prinzip des Forderns und Förderns durch Vater Staat eine stabile und vor allem für alle gleiche Grundlage der Weiterentwicklung der heimischen Wirtschaft und damit das Fundament für einen echten freien Markt, indem diejenigen, welche ihrer Mitwirkungspflicht nachkommen, den persönlichen Vorteil des Überlebens genießen dürfen.

Grundlage dieser bahnbrechenden Neuerungen wäre ein weiteres Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt, genannt Hartz V.

Hartz V für die Wirtschaft wäre das konsequente Finale der im Jahre 2003 begonnenen Arbeitsmarktreformen und endlich ein Licht am Anfang des Tunnels.

1 Gedanke zu “Hartz V für die Wirtschaft Freier Arbeitsmarkt für freie Unternehmer!

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