Labora et ora: Arbeite und Bete

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Eine Neoliberale Groteske zum Zwecke der Erhellung und Vergegenwärtigung der Entstehung prekärer Sozialformen

basierend auf 40 Zitaten berühmt berüchtigter Politiker

Maria v. Boisse

1 Akt
4 Szenen

2008

Handlung

Die Erfindung des 3. Arbeitsmarktes durch Gerhard Schröder, Peter Hartz und Wolfgang Clement. Angela Merkel hospitiert.

Szene 1 – Der Schwur
Szene 2 – Der Bund
Szene 3 – Das Geschäft
Szene 4 – Das Finale

Charaktere

Der Herrscher (Gerhard)
Im Anzug mit Krone

Der Magier (Peter)
Im Anzug mit magischem Hut

Der Narr (Wolfgang)
Im Anzug mit Narrenkappe

Der Teufel (Angela)
Im Anzug (orange Jackett) mit Hörnern und roten Haaren

Der Gehängte (Jesus)
Orange Overall als Zwangsjacke

Die Gerechtigkeit (Akademiker)
Orange Overall mit Mundschutz und Doktorhut

Die Kraft (Arbeiter)
Orange Overall mit Mundschutz und Bauhelm

Die Mäßigung (Bauer)
Orange Overall mit Mundschutz und Gamsbarthut/Gummistiefel

Ort der Handlung:

Irgendwo

Szene 1

Der Schwur

DER HERRSCHER betritt den Raum aus dem mittleren Hintergrund.
DER MAGIER erscheint von rechts.
DER NARR erscheint von links.

Sie halten Schilder mit ihren Namen (Gerhard, Peter und Wolfgang) in die Höhe und tänzeln wie Nummerngirls.
Beifall aus dem Off.

Im Hintergrund wird eine rot/schwarz/gelbe Flagge aufgezogen und die Melodie der „Internationale“ ertönt.

Alle singen
Völker hört die Signale, auf zum letzten Gefecht, die Neoliberale erkämpft das Wirtschaftsrecht.
Alle drei drehen sich zur Flagge, wobei auf jedem Gesäß eine Sonne sichtbar wird.

Gemeinsam
(wie Leselernschüler)
Wir schwören, dass wir unsere Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, unsere Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werden.

Sie drehen sich mit zum Himmel gestreckten Armen um.
Lachen aus dem Off.

Gemeinsam
So wahr uns Gott helfe!

Blitze zucken und Donner kracht, während hinter ihnen aus dem Boden gelber Dampf aufsteigt.

DER TEUFEL schiebt auf einer Sackkarre ein auf dem Kopf stehendes Kruzifix mit JESUS in einer Zwangsjacke vor die drei, während sich der Herrscher die Augen bedeckt und abwendet.

Herrscher
(verzweifelt)
Bitte lasst diesen Kelch an mir vorübergehen!

Der Teufel verklebt den Mund von Jesus kreuzweise mit einem großen Pflaster und stellt sich neben das Kruzifix.

Teufel
(mit merkelhaftem Gestus und salbungsvoll beruhigend zu Jesus)
Aus dem christlichen Menschenbild speist sich auch mein Bekenntnis zur Nachhaltigkeit. Politik ohne Angst. Politik mit Mut – das ist heute erneut gefragt.

Lachen aus dem Off.

Teufel
(in staatsmännischer Pose zum Publikum)
Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit. Unsere Werte müssen sich auch im Zeitalter von Globalisierung und Wissensgesellschaft behaupten. Und wenn sie sich behaupten sollen, dann müssen wir bereit sein, die Weichen richtig zu stellen. Auch da sind wieder Widerstände zu überwinden. Es sind wieder Prioritäten zu setzen. Ist dem Wichtigen der Vorrang vor dem weniger Wichtigen zu geben.

Der Teufel nimmt die Sackkarre und geht mit höllischen Gelächter ab.

Herrscher, Magier, Narr singen
Wir gründen eine Partei _ und die Sorgen sind vorbei, damit es _ uns heute gut geht.
Zahlen keine Steuern mehr _ zaubern selber welche her, damit es _ uns morgen gut geht.
Liegt das Land dabei im Schlafe _ selber schuld ihr dummen Schafe, hättet ihr doch _ ein bisschen mitgedacht.
Wer den Wolf in uns erkennt _ uns Sozialschmarotzer nennt, Ihr bekommt nur _ was Ihr Euch selber schafft.

Vorhang

Szene 2

Der Bund

Herrscher, Magier und Narr betreten den Raum. Jeder führt in der rechten Hand an Halsband und Leine eine Gestalt mit sich. Der Herrscher führt DIE GERECHTIGKEIT, der Magier DIE KRAFT und der Narr DIE MÄSSIGUNG in die Mitte des Raumes.

Herrscher
(wie im Gebet zum Publikum, dabei auf den Akademiker weisend)
Denn mein ist die Gerechtigkeit!

Magier
(zum Publikum, dabei auf den Arbeiter weisend)
Und mein ist die Kraft!

Narr
(zum Publikum, dabei auf den Bauern weisend)
Meines die Mäßigung, welche Vollendung schafft!

Der Teufel läuft sie beobachtend an ihnen vorbei.

Teufel
(zum Publikum und die Augen verdrehend)
Ja, ja – in Ewigkeit AMEN.
Der Teufel geht ab. Lachen aus dem Off.

Herrscher, Magier und Narr lassen die Antagonisten sich auf allen Vieren mit dem Kopf zum Hintergrund nebeneinander plazieren. Auf den Gesäßen der drei Antagonisten befindet sich der Schriftzug HIV (für Hartz IV).

Der Herrscher setzt sich auf das Gesäß der Gerechtigkeit – dazu ertönt ein mächtiger Furz. Er springt auf, dreht sich erstaunt um und schaut auf das Gesäß der Gerechtigkeit. Er setzt sich wieder – nichts geschieht. Er atmet auf und in diesem Moment setzt sich der Magier auf die Kraft. Wieder ertönt ein mächtiger Furz.
Der Herrscher und der Magier springen beide auf und gehen in nachdenklicher Haltung um die drei Knieenden herum, währenddessen sich der Narr auf die Mäßigung setzt. Nichts passiert. Der Herrscher und der Magier schauen ganz erstaunt auf die Szene und sich an. Der Herrscher winkt ab.

Magier
(zum Herrscher)
Genau, scheiss drauf!

Beifall aus dem Off.

Herrscher und Magier setzen sich wieder auf ihre beiden Antagonisten – wieder ertönen 2 Fürze. Nach kurzem nachdenklichem Schweigen springt der Herrscher aufgebracht auf und zieht die Gerechtigkeit am Halsband aufrecht zu sich.

Herrscher
(herrisch zur Gerechtigkeit)
Wir müssen darauf bestehen, dass unserer Integrationsbereitschaft ein Integrationswille bei denen entspricht, die zu uns kommen!

(abwinkend zum Publikum)
Lehrer sind faule Säcke!

(dem Narren befehlend)
Hol‘ mir mal ’ne Flasche Bier, sonst streik ich hier, und mache nicht weiter!

(zur Gerechtigkeit und ihr dabei in das Gesäß tretend)
Wer unser Gastrecht missbraucht, für den gibt es nur eins: Raus, und zwar schnell!

Narr
All dies geht natürlich so nicht weiter, wie es bisher in Deutschland ist.

Beifall aus dem Off – dazu Fußballgesänge!

Die Gerechtigkeit wird vom Narren hinausgeführt. Der Narr kommt mit 3 großen Flaschen, gefüllt mit Liebesperlen, zurück und verteilt diese an die Protagonisten, welche sich die Liebesperlen gegenseitig in das Gesicht und über die Körper schütten. Sie lachen und freuen sich, während die Kraft und die Mäßigung über den Boden kriechen und einige Liebesperlen aufsammeln.

Der Teufel kommt und kehrt mit Besen und Schaufel die Liebesperlen zusammen, dabei der Kraft und der Mäßigung immer wieder die Liebesperlen wegnehmend und füllt diese mit einem großen Trichter wieder in die Flaschen.

Teufel
(immer wieder zum Publikum schauend)
Ich glaube, dass die Menschen mit Negativismus nicht gut leben können. Sie wollen nicht zu oft hören „Dieses geht nicht und jenes geht nicht“. Sie wollen hören: „Das könnte man so versuchen…“. Sie wollen eine positive Haltung und daran muss gearbeitet werden, bei allem Verständnis für die Einzelinteressen in unserer Gesellschaft. Deutschland – das verheißt neue Ideen. Die Möglichkeit, Neues zu wagen, Probleme zu lösen, Herausforderungen zu bestehen, dem Fortschritt Raum zu geben, seien es wissenschaftlich-technische Erkenntnisse oder seien es politische Ideen.

Der Teufel geht ab. Lachen aus dem Off.

Herrscher
(greinend und schmollend zum Publikum)
Alles wird überlagert von der Vorstellung, dass dieses Land in Bedrängnis kommt, weil man zehn Euro pro Quartal beim Arzt abliefern soll. Als wenn das die Schicksalsfrage der Nation wäre.
Für mich, meine Sorgen und meine Zukunftsängste interessiert sich wieder mal kein Schwein.

Narr
(zum Magier)
Oh,oh! Der ist total sauer, weil er die Hälfte der Arbeitslosen immer noch nicht dazu gebracht hat, auf unser Arbeitslosengeld zu verzichten; wo doch die Wahlen vor der Tür stehen.

Es klopft mit lautem Krachen dreimal, die Protagonisten zucken zusammen und drehen mit eingezogenen Schultern die Köpfe nach hinten. Jesus kommt und beginnt zu tanzen.

Jesus
(trällernd)
Wer die Qual hat die Wahl, doch die Kraft lange noch nicht,
wer die Kraft hat den Mut, doch den Durchblick noch nicht,
wer den Blick hat die Chance, doch die Lust immer noch nicht
und wer Lust hat macht’s gut und fängt an!

Jesus geht ab. Beifall aus dem Off.

Herrscher
(traurig zu beiden)
Ich habe immer gesagt, ich will mich messen lassen an der signifikanten Reduzierung der Arbeitslosigkeit.
Und ich füge hinzu: Wenn wir das in der nächsten Legislaturperiode nicht schaffen, die Arbeitslosigkeit zurückzuführen und das Ausbildungsplatzproblem zu lösen, dann haben wir es auch nicht verdient, wieder gewählt zu werden.

Mitleidiges OHHH aus dem Off.

Plötzlich verschluckt sich der Magier, prustet eine Fontäne Liebesperlen aus und spingt wild gestikulierend auf.

Magier
(zum Himmel gerichtet und mit prophetischem Tonfall)
HEUREKA! Ich hab`s!

Beifall aus dem Off.

Der Magier setzt sich auf die Kraft und reitet auf ihr.
(weise mit dem Finger wedelnd zum Herrscher)
Der wahre Grund für die Arbeitslosigkeit ist die Gleichgültigkeit der Nichtbetroffenen!

Herrscher
( aufspringend und pathetisch brüllend)
Denn jeder Akt der Vertreibung, so unterschiedlich die historischen Hintergründe auch sein mögen, ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit!

Magier und Narr sehen sich etwas verwirrt an ob der Übertreibung. Lachen aus dem Off.

Narr
(mit kritischem Blick auf den Herrscher und beifallerheischend zum Magier)
Eine offenkundige Fehleinschätzung einzugestehen und den Mut zu haben, diese Fehleinschätzung zu korrigieren, das steht meines Erachtens der Politik wie auch jedem einzelnen und jeder einzelnen gut zu Gesicht.

Herrscher
(komisch zurückschauend aber befriedigt zu beiden)
Und alles, was gut geht, wird einfach im Nachhinein als Strategie erklärt!

Der Teufel kommt herein.

Teufel
(zum Publikum)
Meine Damen und Herren, ja, alles ist möglich. Vor allem ist für Deutschland viel mehr möglich, als es heute scheint.

Alle vier schlagen die Händer übereinander.

Gemeinsam
Und damit wir das erleben, schließen wir den Bund für`s Leben!

Alle singen
Wir haben keinen Anstand mehr _ und wir geben auch nichts her, damit es _ uns immer gut geht.
Verbrennt Euch doch die leeren Hände _ lauft nur weiter gegen Wände, damit es _ uns immer gut geht.
Gebt uns noch den letzten Rest _ wünscht Euch lieber gleich die Pest, hättet Ihr doch _ ein bisschen mitgedacht.
Morgen ist es dann zu spät _ weil Ihr in der Scheisse steht, Ihr bekommt nur _ was Ihr euch selber schafft.

Alle gehen ab. Beifall aus dem Off.

Vorhang

Szene 3

Das Geschäft

Der Herrscher und der Magier liegen im Liegestuhl, während der Narr auf- und abläuft.

Magier
(ganz ernst zu beiden)
Jungs, wir müssen jetzt mal über etwas ganz Wichtiges reden. Ich hab da so eine Idee, wie wir das mit den Arbeitslosenzahlen managen können!

Der Narr schaut verwundert und mit offenen Mund, der Herrscher mit hoffnungsvollem Blick, während er sich eine dicke Zigarre in den Mund steckt.

Herrscher
(mit dem Finger vor sich auf den Boden weisend zum Narren)
Platz!

Herrscher
(gemächlich zum Magier)
Na nun lass schon die Sau raus, Du alter Personalvernichter, was gibt`s Neues an der Arbeiter-Einheitsfront?

Lachen aus dem Off.

Narr
(sich in die Faust feixend zum Publikum)
Hi,hi! Ein kleiner Spaß unter Sozialdemokraten – hätte von mir kommen können.

Magier
(eloquent zum Herrscher)
Terroristenverteidiger!

Herrscher
(retour)
Ein Anwalt, der was kann halt!

Beifall aus dem Off.

Alle hauen sich auf die Schenkel vor Lachen und wischen sich gegenseitig mit großen Edelweißschnupftüchern die Tränen aus den Augen.

Magier
(vor lauter Ernst die Brauen zusammenziehend zu beiden)
Im echten Ernst Leute – ich habe die Idee des Jahrhunderts! Ich weiß jetzt wie wir Arbeit für alle schaffen.

Narr
(ungläubig die Stirn runzelnd und mäkelnd stotternd)
… ja – aber das ist doch mein Job?

Magier
(vor Begeisterung kreischend zum Narren)
Danke, Anke, das Wort fehlte mir noch – JOB. Wir schaffen keine Arbeit, sondern Jobs!

Narr
(immer noch mäkelnd zum Magier)
Bitte Brigitte, aber wenn mein Führer und ich das nicht geschafft haben, dann schaffst Du das schon lange nicht!

(zum Herrscher)
Oder etwa nicht?

Der Narr streckt dem Magier beleidigt die Zunge raus.

Herrscher
(ein bisschen enttäuscht und bedenklich zum Magier)
Da hat der Narr aber auch ein bisschen Recht, wenn ich mir unsere Statistiken so anschaue!
Ein rechter Narr, sozusagen!

Magier
(zum Herrscher)
Ein Herrscher, der sich die Haare färbt, der frisiert auch jede Statistik!

Lachen aus dem Off.

Alle brüllen wieder vor Lachen, ziehen drei Flachmänner aus ihren Taschen und prosten sich zu.

Narr
(zum Magier und dem Herrscher verschwörerisch zuzwinkernd)
Na los, Du alter Volksmanager, dann gib uns doch mal einen kleinen Exkurs in Sachen Personalveruntreuung.
5000 mal 5000 war ja schon mal richtig gut.

Der Teufel kommt. Beifall aus dem Off, begleitet von den ersten beiden Takten des Liedes „Angie“.

Teufel
(zum Publikum)
Viele in der Politik argumentieren ja oft und gerne mit Sachzwängen, die sie daran hinderten, dieses oder jenes genau jetzt zu tun. Ich will nicht näher bewerten, wie viel davon wahr ist oder wie viel Ausrede, aber ich sage klar:

(sehr betont)
Für uns gibt es nur einen einzigen Sachzwang, dem wir unterliegen, und der heißt, Menschen in Arbeit zu bringen. Diesem Sachzwang hat sich alles unterzuordnen.

Der Teufel geht ab. Beifall aus dem Off.

Der Magier
(zu beiden)
Wie hoch ist der Wert eines Arbeitslosen?

Herrscher
(entrüstet)
Dämliche Frage, natürlich haben die gar keinen Wert, die kosten nur unser Geld!

Narr
(verächtlich)
Genau – Biologen verwenden für Organismen, die zeitweise oder dauerhaft auf Kosten anderer, ihren Wirten leben, die Bezeichnung Parasiten. Diese Drückeberger – die versaufen doch nur unser Geld!

Magier
(laut zum Narren)
Meinst Du dasselbe Geld, welches wir von denen bekommen?

Betroffenes Schweigen.

Herrscher
(schaut sich ertappt um)
Hm, na ja, irgendwie stimmt das schon, aber muss man das so laut sagen?

(zum Magier)
Aber wie hoch ist denn nun der Wert eines Arbeitslosen – rechnerisch muss der dann ja unter Null liegen?

Magier
Richtig, mein Herrscher, aber das kann man denen nicht so verklickern, die sind da ein bisschen dünnhäutig seit den Schüssen von 1919.

Herrscher
Ja, ja – die gute alte Zeit!

Alle drei brüllen vor Lachen.

Lachen und Beifall aus dem Off.

Der Teufel kommt.

Teufel
(wie ein Motivationstrainer zum Publikum)
Auch in der Politik gilt: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Anders gesagt: Wer wagt gewinnt. Wer sich selber etwas zutraut, der gewinnt das Vertrauen der Menschen.

(mit grimmig-entschlossenem Gesicht und beiden Zeigefingern auf das Publikum weisend)
Du bist ein Tiger!

Der Teufel geht ab. Beifall aus dem Off.

Narr
(zu beiden)
Kennt ihr schon die gefährlichsten Tiere im Osten?

Herrscher und Magier
(stirnrunzelnd)
Nö!

Narr
Na, de Daschendiescher!

Lachen aus dem Off.

Magier
Wir regeln die Sache folgendermaßen: Wir lassen sie einfach für ihr eigenes Arbeitslosengeld arbeiten. Wir sagen – Ihr könnt eurer Geld nur haben, wenn Ihr dafür auch arbeitet. Die Kassen sind leer und es geht so nicht mehr.

Herrscher
(springt auf und brüllt)
Heilige Scheiße!

…wobei ihm die Zigarre aus dem Mund fällt.

Donner aus dem Off.

Narr
(verständnislos)
Das verstehe ich irgendwie nicht so richtig – haben die denn nicht schon für ihr Arbeitslosengeld gearbeitet? Die finanzieren doch ihre eigene Arbeitslosigkeit. Oder habe ich das mit der Arbeitslosenversicherung falsch verstanden?

Magier
(zum Narren)
Schnelldenker – sie arbeiten aber zu wenig für ihr Geld – zumindest kann man das behaupten. Wer arbeitslos ist, hat keine Arbeit, braucht aber Geld zum Überleben.
Da wir sie aber nicht alle zu Gazprom schicken können, schon wegen des Geruchs, überzeugen wir sie einfach, sie würden in unserer Schuld stehen, weil wir ihnen ihr eigenes Geld geben.
Wenn sie das gefressen haben, ist es nur noch ein Kinderspiel, sie denken zu lassen, sie müssten etwas für dieses Geld, letztendlich also für uns tun, anstatt nach einem faulen Monat ohne Arbeit einfach Geld zu kassieren.

Narr
Das könnte sich nämlich leicht als Idee zum Sozialbetrug verstehen lassen!

Magier
Sie müssen ein permanent schlechtes Gewissen entwickeln – einfach weil sie leben ohne dafür zu arbeiten!

Herrscher
(ungläubig zum Magier)
Na ja, aber glaubst Du wirklich, die sind so blöd?

Magier
(lachend)
Haben sie Dich gewählt?

Lachen aus dem Off. Alles kreischt vor Vergnügen.

Herrscher
(komplett erstaunt)
Du meinst wirklich, wir sagen ihnen einfach: Du arbeitest nicht, bekommst aber Geld, ergo können wir von Dir Arbeit als Gegenleistung verlangen?

Narr
Und was ist dann mit dem Grundgesetz?

Magier
Wir bezahlen doch Richter, damit die uns sagen, wie wir das genau definieren müssen!

Narr
(begeistert)
Hey, der Münte hat auf der letzten sozialdemokratischen Fastnacht irgend etwas von: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ gefaselt. Können wir da nicht einfach die Leute überzeugen, dass der Arbeitslose froh sein kann, wenn er überhaupt etwas zu beißen hat? Das versteht doch jeder Arbeitslose. Das versteht ja sogar jemand der noch Arbeit hat. Jede Wette,

(langsam und betont)
jede Wette!

Herrscher
(anerkennend)
Den Narren sollten wir an Addecco vermieten, quasi als Superleihmanager, ha, ha. Ein richtiger Blitzmerker.

Lachen aus dem Off.

Magier
(zu beiden)
Exakt – der Narr hat Recht!
Das Problem für uns ist doch die Finanzierung von Leuten, die nichts, aber auch gar nichts für diese Finanzierung tun, außer ein paar Kröten für die Arbeitslosenversicherung zu zahlen.

Herrscher
Aber wie sollten sie das denn ohne Arbeit können?

Magier
(winkt ab)
Ganz einfach! Ohne Arbeit sind sie nur belangloses, totes Kapital und kosten uns ein Schweinegeld bei minimalem Selbstbehalt.
Für uns fällt dabei nichts ab – zumindest zu wenig für unsere Interessen.
Wir können zwar eigentlich nicht wirklich Arbeit schaffen, von der jemand außer uns leben kann, aber mit dieser Maßnahme können wir doch wenigstens verlangen, dass die Arbeitslosen für ihr eigenes Überleben auch arbeiten; und zwar so lange, wie wir das wollen. Natürlich zu unseren Konditionen!
Anstatt zu Hause hinter dem Ofen zu sitzen und sich wertlos zu fühlen, lassen wir sie wie vorher arbeiten, nur für weniger Geld.

Narr
Wir müssen den Arbeitslosen das Gefühl für neue Werte, also ein neues Selbstwertgefühl geben!
Gefühlten Wert sozusagen.

Herrscher
Und den liefern sie dann an uns ab.

Magier
Blühende Landschaften – olle Kohl hatte einfach keine Ahnung! Und ihr werdet sehen, keiner merkt etwas, aber alle machen mit!

Narr
Ich werde verrückt, da hätten wir uns doch die ganzen Türken sparen können!

Alle Drei
(zum Publikum)
Mach mit, mach`s nach, mach`s besser!

Beifall aus dem Off.

Magier
Wir wandeln unsere ineffiziente Arbeitslosenverwaltung einfach in ein gewinnorientiertes Unternehmen um, welches am regulären Markt nicht benötigte oder zu teure Arbeitskraft zu günstigen Konditionen verkauft.

Narr
(mit dem rechten Zeigefinder das rechte Augenunterlied herunterziehend)
In Zukunft bezeichnen wir die Arbeitslosen als Kunden und überzeugen sie durch SpiegelBild von unseren immensen Anstrengungen, ihnen mit ihren Steuergeldern Arbeit zu vermitteln.

Herrscher
Das dafür benötigte Geld wiederum können wir bei jeder Haushaltsverhandlung mit der großen Zahl der Arbeitslosen begründen, denen wir ja helfen müssen, in Lohn und Brot zu kommen.

Lachen aus dem Off.

Magier
Und gleichzeitig machen wir die Sparzwänge dafür verantwortlich, dass wir dieses Geld leider nur zum Teil dafür verwenden können. Dann haben wir eine Menge übrig, um andere Löcher zu stopfen.

(belehrend zum Publikum)
Realitätsgestaltung ist im Grunde ganz einfach. Wir bestimmen wie es läuft, zaubern einen entsprechenden Zustand X aus dem Hut und deklarieren diesen als Sachzwang, dem man, in diesem Falle die Arbeitslosen, sich zu unterwerfen habe.

Narr
Können wir nicht einfach behaupten, es bestehe in Deutschland viel zu wenig Bereitschaft, sich zu verändern, um seinen Job zu behalten oder um an einen neuen Arbeitsplatz zu kommen?
Das macht den Arbeitslosen ein bisschen Druck und wir haben das gute Gewissen.

Herrscher
Ha – dann lassen wir die Arbeitslosenverwaltung sowohl die Arbeitslosen, deren Arbeitskraft und die dazu benötigten Jobs verwalten. Und die dafür benötigten Angestellten brauchen wir auch nicht mehr zu verbeamten, sondern sagen ihnen, sie könnten froh sein, nicht ihre eigenen Kunden zu werden!

Magier
Wir entwickeln die Arbeitslosen von variablem in konstantes Kapital. Marx hätte seine helle Freude.
Lachen aus dem Off.

Narr
(grübelnd zu beiden)
Aber wo nehmen wir eigentlich diese Arbeit her, welche von den Arbeitslosen gemacht werden soll. Ich denke es gibt keine?

Ohh aus dem Off.

Magier
Nehmt Euch doch einmal ein Beispiel an der Funktionsweise von ehrenamtlichen Tätigkeiten, wie das Aufpassen auf die Omma, die Gören, Nachhilfe oder Beschäftigungstherapien für unrentable Deppen, wie Straßen kehren, Parks pflegen oder die Altenentsorgung.Das ist eine Menge wertvoller Arbeit, welche nicht bezahlt oder nur mit geringer Aufwandsentschädigung vergütet wird.
Vor allem sind diese Pseudobeschäftigungsverhältnisse unserer Planung und damit dem Arbeitsmarkt entzogen!

Narr
(erbost)
Das ist ja Schwarzarbeit! Das könnten alles die Arbeitslosen machen!

Beifall aus dem Off.

Magier
(beschwichtigend)
Wir müssen das Ganze pragmatisch angehen.
Schon Volker Pispers sagte – man muß die Dinge quantitativ beurteilen lernen.
Ein Mensch in unserem Lande braucht ca. 800 Euro Netto zur Überlebensfinanzierung. Davon streichen wir die Hälfte ohnehin über die Steuern ein.
Wenn dieser Mensch keine Beschäftigung findet, welche ihm dieses Überleben finanziert, müssen wir die von ihm gezahlten Steuern wieder an ihn herausrücken, weil er sonst nicht überleben kann – wir sind ja hier nicht im Kosovo!

Lachen aus dem Off.
Wenn wir anstelle dessen ehrenamtliche Tätigkeiten unterbinden, damit diese von Arbeitslosen verrichtet werden können, schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe:
Zuerst unterbinden wir die unkontrollierte Vergütung von Nachbarschaftshilfe.
Gleichzeitig schaffen wir einen neuen Arbeitsmarkt, dessen Aushängeschild die Notwendigkeit bestimmter, ungeliebter, dreckiger und billiger Arbeiten ist.
Mit diesen freigesetzten Arbeitsplätzchen beschäftigen wir die Arbeitslosen.
Wir garantieren also den Arbeitslosen wie bisher ihr Überleben, werden sie aber zu freiwilliger Arbeit verpflichten.
Und das alles zu einem wesentlich geringeren Preis als vorher, da sie nach wie vor von unserer Unterstützung leben! Das könnte man Grundsicherung mit Selbstbehalt nennen, welcher ihre Arbeitskraft ist.
Und die Differenz zum eigentlich angemessenen Lohn teilen wir mit den Verwaltern. Es ist lediglich eine Frage der Verteilung!

Beifall aus dem Off.

Narr
Und was ist dann mit den Spezialkräften, die diese Arbeit vorher für gutes Geld gemacht haben, weil ohne sie diese Arbeit gar nicht möglich gewesen wäre?

Magier
Ganz einfach, die machen diese Arbeit wie bisher weiter. Sie bekommen aber ebenfalls weniger Geld für diese Arbeit – das kann man ohne schlechtes Gewissen mit leeren Kassen oder einer Konjunkturflaute begründen. Wozu haben wir die Wirtschaftsweisen?
Dann kommen diese Leute von ganz alleine und wollen ihren Job für lau machen, bevor sie arbeitslos werden oder Streß mit uns bekommen!

(den Finger hebend)
Freie Marktwirtschaft mein alter Freund! Ein Halali auf das Freiwild!

Herrscher
(zweifelnd)
Aber das kauft uns doch keiner ab, dass wir die Arbeitslosen das gleiche Arbeitspensum wie reguläre Arbeitnehmer machen lassen, nur für `nen Appel und `nen Ei?

Narr
(triumphierend)
Ich hab`s! Wir lassen sie gar nicht mehr arbeiten, sondern mehr lernen!

Beifall aus dem Off.

Narr
Wenn es offiziell keine bezahlbare Arbeit gibt, wir sie aber ihre oder eine niedrige Arbeit zukünftig machen lassen wollen, damit wir die Rendite einstreichen können, erzählen wir ihnen einfach, dass sie sich für eine ordentlich bezahlte Arbeit permanent qualifizieren müssen – und wenn es nur dazu dient, das frühe Aufstehen nicht zu verlernen! Denn wären sie genügend qualifiziert, hätten sie ja eine Arbeit und würden uns nicht auf der Tasche liegen.
Selbst meine Frau sagt: Wer eine Arbeit finden will, bekommt auch eine.

Lachen aus dem Off.

Magier
Das hätte auch einen wirtschaftlichen Aspekt. Es würde ein umfassender Dienstleistungssektor für die Qualifizierung von Arbeitslosen entstehen. Da kann man ganz groß in`s Beratungsgeschäft einsteigen!

Herrscher
(begeistert)
Genau! Dann werden sie nämlich keine Angestellten mehr, sondern Schüler und Lehrlinge und die verdienen nun mal weniger und müssen sich eben anstrengen, damit sie etwas schaffen im Leben.
Mal abgesehen von den, in diesem Falle überflüssigen Arbeitnehmerrechten und all dem unrentablen Schnick-Schnack, wie Urlaubsanspruch oder pausenlos krank feiern.
Es gehört wieder mehr Bildung nach Deutschland!

Beifall aus dem Off.

Narr
Ja, ja – wie sagte schon der alte Lenin? Lernen, lernen, nochmals lernen. Wir schicken sie also von einem Leistungskurs in den nächsten und halten sie so am Laufen. Sie müssen fit gemacht werden für alle Eventualitäten.

Herrscher
Und ganz nebenbei, können sie mit der verkauften Arbeit ein kleines Vermögen schaffen – für unsere Haushaltkasse.

Magier
(anerkennend zu beiden)
Ihr seid ja ganz Ausgeschlafene! Flexibilität ist das neue Zauberwort!

Narr
Und wer genug gelernt hat, den verleihen wir einfach an die Wirtschaft. Dann brauchen die Unternehmer nicht mehr soviel Lohn zahlen und wir teilen uns wieder mal die Dividende.
Und wenn sie nicht mehr gebraucht werden, schicken uns die Unternehmer diese Leute einfach wieder. Ganz flexibel hin und her!

Herrscher
Deppen-Ping-Pong!
Wir müssen die Arbeitslosen so am Rotieren halten, dass sie gar keine Zeit für den Gedanken verschwenden wollen, es ginge anders, es gäbe irgendwelche und schon gar keine positiven Alternativen zu unserem Diktum!

Narr
Da verzweifelt irgendwann jeder Arbeitslose und hört auf sich zu wehren. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie sehr diese Leute davon überzeugt sind, dass sie nichts tun können, wenn sie genug zu tun haben.

Magier
Die Arbeitslosen reden doch selbst dauernd über eine fällige Umverteilung von oben nach unten. Wir zeigen denen nur wie es funktioniert!

Der Teufel kommt.

Teufel
(mit aufgerichtetem Zeigefinger)
Deutschland – ein Land der Ideen!

Der Teufel geht ab. Lachen aus dem Off.

Herrscher
(begeistert)
Wir lassen sie also unsere Prachtstraßen putzen, ihre Kinder unterrichten und ihre Alten entsorgen – quasi ehrenamtlich, also billig aber mit Lerneffekt für das Gemeinwohl? Und wir sparen nicht nur einen Haufen Geld, sondern verdienen auch noch dabei?
Da werden die Gelben aber grün vor Neid!

(lacht schallend)
Das könnte man sogar – sozialen Mehrwert – oder ganz und gar – AUFSCHWUNG – nennen!

Narr
Dann können wir uns vielleicht sogar wieder ein bisschen Krieg leisten!

Magier
Oh Herrscher, mein Herrscher – Du bist der Hammer – wir sagen einfach – „Sozial ist, was Arbeit schafft“!

Unser Aufschwung kommt dann von ganz allein! Damit klauen wir den Christdemokraten die Soziale Marktwirtschaft!

Donner, danach Beifall aus dem Off.

Narr
Bei diesen Renditechancen kann die Arbeitsverwaltung in 2-3 Jahren an die Börse!

Magier
Die angstvollen Visionen eines Arbeitslosen, der vor seinem inneren Auge die schlimmsten Umstände sieht, die ihn betreffen können, ist eine unersetzliche Fundgrube an Ideen und Alternativen für Zwangsreformen.
Man muß denen nur genau zuhören. Sie erzählen Dir von ganz allein, wie man sie am Arsch kriegt!
Du brauchst nur zu fragen: „Hey, Prekärer, wovor hast Du am meisten Angst?“, und egal was er für eine apokalyptische Antwort gibt; Du sagst einfach: „Danke, das machen wir dann mal so.“

Herrscher
(ergriffen)
Das ist die Deutschland AG!

Alle freuen sich und prosten sich zu. Beifall aus dem Off.

Der Teufel kommt.

Teufel
Als Konrad Adenauer in seiner ersten Regierungserklärung 1949 auf das „Prinzip der Sozialen Marktwirtschaft“ zu sprechen kam, vermerkte das stenographische Protokoll des Deutschen Bundestages – ich zitiere: „Lachen links“. Heute können wir sagen: Auch links lacht niemand mehr darüber.

Der Teufel geht ab. Lachen aus dem Off.

Herrscher
(zweifelnd zu beiden)
Und Ihr glaubt wirklich, wir kriegen das so einfach durch?

Narr
(zum Herrscher)
Wieso nicht? Wir erklären diese Agenda bis 2010 zum Staatsziel, schaffen die entsprechenden Gesetze und bestehen auf ihrer strikten Einhaltung.
Und Du kannst Dich darauf verlassen, dass die Christen diesmal mitziehen – die wollen schließlich auch etwas vom Kuchen.

Beifall aus dem Off.

Magier
Teile und herrsche durch unerfüllbare Standards.
Wir müssen den Menschen beibringen, sich mit den Umständen zu arrangieren. Nicht sie einfach hinzunehmen, dann flippen sie aus. Egal, wie beschissen es läuft, sie müssen sich arrangieren. Wir müssen unter allen Umständen verhindern, dass sie aufhören sich zu arrangieren, denn wenn sie sich irgendwann nicht mehr arrangieren wollen, drehen sie uns den Hals rum!

Narr
Es darf kein Ruck durch Deutschland gehen!

Herrscher
Ich werde der nächsten Regierung nicht angehören. Definitiv nicht angehören! Aber, euer Empfang hat mir eines deutlich gemacht:
Ich möchte gerne unter euch bleiben. Ich weiß, wo ich herkomme und deswegen weiß ich auch, wo ich hingehöre.

Der Teufel kommt.

Teufel
Deutschland – das verheißt Zusammenhalt. Ein Land, in dem jeder für sich und andere gibt, was er kann, und keiner fallengelassen wird, weil er nicht mehr kann. Das ist soziale Partnerschaft, sozialer Ausgleich.
Es kommt an auf eine Politik, die nicht auf Feindbilder setzt, sondern die die Kraft zum Konsens hat. Konsens, der nach Kontroversen neue Gemeinsamkeit stiften kann.
Der Teufel geht ab. Beifall aus dem Off.

Narr
Da hätte ich aber noch eine klitzekleine Idee.

Herrscher
Na los, Du Superzwerg.

Narr
Da sich sicher nicht alle so einfach verarschen lassen, zahlen wir denen, die das ganze Gelerne freiwillig mitmachen, vielleicht ein bisschen mehr Geld als den zukünftigen Verweigerern – denn das geht ja nicht so richtig, dass die Einen dann lernen um zu arbeiten und die renitenten Verweigerer nichts tun, aber beide gleich viel Geld bekommen!

Beifall aus dem Off.

Herrscher
Und wie wollen wir verhindern, dass diejenigen die arbeiten, nicht irgendwann einfach kündigen wenn sie genug von uns haben?

Ohh aus dem Off.

Magier
Die bekommen ja nie genug – können sie gar nicht. Wir zahlen ihnen einfach viel zu wenig zu ihrem Überlebenssatz hinzu.
Damit sind sie immer in unserer Abhängigkeit. Vielleicht sollten wir ihnen einen symbolischen Euro zur Unterscheidung zahlen – was meint ihr?

Narr
In der Zukunft regeln wir die Kontrolle der Geldausgaben einfach über eine Chipkarte – den elektronischen Einkommensnachweis. Projekt ELENA. Dann bekommen die Arbeitslosen kein Geld mehr überwiesen, sondern ein monatliches Guthaben bei einem Staatskonto. Diejenigen, die mitziehen, bekommen am Monatsanfang die Kontrolle über ihren monatlichen Regelsatz. Die anderen, also Arbeitsverweigerer, Alkoholiker oder andere Unbrauchbare bekommen je nach Gutdünken der Verwalter ihre entsprechenden Wochen- oder Tagesrationen.

Magier
Genau so machen wir das!
Zusammen mit der Gesundheitskarte und den elektronischen Personalausweisen ermöglicht uns das die totale Kontrolle aller Arbeitsfähigen, inklusive deren Möglichkeiten ihr Geld an uns zurückzuführen.
Wenn wir die digitale Persönlichkeit der Menschen juristisch geltend machen, ich sag nur SICHERHEIT – ist die natürliche Persönlichkeit abhängig von ihrem digitalen Ego. Dann brauchen wir nicht mehr die Menschen zu verändern, sondern nur noch ihre digitalen Abbilder.

Beifall aus dem Off.

Herrscher
(ganz aufgeregt)
Vielleicht sollten wir die ganze Arbeitsagentur zum sozialen Heimatarbeitsministerium erklären!

Magier
Besser noch zur Sozialen Treuhand – das hat schon mit dem Osten prima funktioniert. Da gingen die Unternehmer in den Osten, holten sich die Subventionen ab und fuhren damit wieder nach Hause.

Narr
Das ist ja total abgefahren. Dann hätten wir sowohl reiche als auch arme Arme und hätten keinen Cent dazu gezahlt, aber alles unter Kontrolle! Das ist ja eine Lizenz zum Gelddrucken!

Magier
Und alle wären gleich, die Einen so, die Anderen so – außer uns – natürlich. Primus inter pares!

Herrscher
Genau – man kann es so oder so machen.
(Pause)
Ich bin für so. – Wir werden die Leistungen des Staates kürzen, Eigenverantwortung fördern und mehr Eigenleistung von jedem Einzelnen abfordern müssen!
Und dafür lassen wir sie nicht verhungern.

Beifall aus dem Off.

Narr
(zum Publikum)
Eine ständige Verfügbarkeit als Voraussetzung für den Leistungsbezug, wird also gesetzlich festgelegt und ist somit keine Schikane.
Wer diese Leistung bezieht, muss für die Arbeitsvermittlung der Agentur für Arbeit orts- und zeitnah zur Verfügung stehen, sonst bringt er oder sie sich selbst um die Chance, ggf. in Arbeit vermittelt werden zu können. Davon profitieren nicht zuletzt auch wir – die Ehrlichen, denn sonst werden immer wieder Sozialbetrüger, die nicht für die Aufnahme einer Beschäftigung zur Verfügung stehen, erwischt!

Beifall aus dem Off.

Magier
Denn wer Hilfe von der Gemeinschaft erhält, der muss auch bereit sein, für sie, also uns – gemeinnützig – zu arbeiten! Und wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!

Beifall aus dem Off.

Herrscher
Denn es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer Gesellschaft.
Aber eine Kuh, die gute Milch gibt, muß man auch mal streicheln.

Narr
(zum Publikum)
Vorrang für die Anständigen – gegen Missbrauch, Abzocke und Selbstbedienung im Sozialstaat!

Beifall aus dem Off. Der Teufel kommt.

Teufel
Deutschland – das verheißt Zusammenhalt. Ein Land, in dem jeder für sich und andere gibt, was er kann, und keiner fallengelassen wird, weil er nicht mehr kann. Das ist soziale Partnerschaft, sozialer Ausgleich!
Denn ich halte es mit Helmut Kohl: Entscheidend ist, was hinten rauskommt!

Ein Megafurz ertönt zum Lachen aus dem Off.

Alle singen
Und damit wir alles kriegen _ werden wir uns Euch verbiegen, weil wir wissen _ Euch ist das scheissegal.
Ob wir Euch knechten, schlachten, prügeln oder Euch den Hintern bügeln, Ihr denkt doch _ Ihr habt gar keine Wahl.
Schickt Eure Kinder in die Kriege _ werdet selber Eure Diebe, schlagt Euch tot, wir _ haben genug von Euch.
Überschreibt uns Eeure Hütten, Konten, Weiber, gute Sitten, gebt uns alles _ wir wollen mehr von Euch.

Kurzer Vorhang

Szene 4

Das Finale

Herrscher
Ich sehe, nach mir wird eine kurze Dicke kommen, die wird so tun, als wäre es ihre Erfindung. Da geh ich doch lieber nach Sibirien und verkaufe Deutschland an die Russen.

Narr
Und ich werde vielleicht Superleiharbeitsberatungs-aufsichtsmanager und Energiespender bei der RWE!

Magier
Ja, und ich gehe in Pension und nicht in den Knast!
Beifall aus dem Off. Der Teufel kommt.

Teufel
Denn man kann sich nicht darauf verlassen, dass das, was vor den Wahlen gesagt wird, auch wirklich nach den Wahlen gilt. Und wir müssen damit rechnen, dass das in verschiedenen Weisen sich wiederholen kann!

Narr
So ist`s recht, die Menschen werden begreifen müssen, das jeder Widerstand gegen die herrschende Klasse zwecklos ist!

Alle vier
(laut, sich mit dem rechten Zeigefinger auf die Brust weisend, Betonung auf – wir)
Denn wir sind Deutschland!

(laut, mit dem rechten Zeigefinger auf das Publikum zeigend und dem linken sich auf die Stirn tippend, Betonung auf – ihr)
Aber ihr seid das Volk!

Alle singen
Wacht auf und schmeisst das Pack hinaus _ aus dem Land, aus jedem Haus, damit es _ Euch morgen gut geht.
Denkt an die Armen, Kranken, Alten _ an die vielen Kummerfalten, die wissen _ wie es besser geht.
Glück alleine reicht nicht aus _ fehlt das Brot in jedem Haus, geht an die Arbeit _ es ist genug für alle da.
Denn wenn Menschen sich bequemen sich wie Menschen zu benehmen, ist die Zukunft _ nicht mehr so undankbar.

(Refrain 2 mal – das 2. mal mit Publikum)
Wer die Qual hat die Wahl, doch die Kraft lange noch nicht,
wer die Kraft hat den Mut, doch den Durchblick noch nicht,
wer den Blick hat die Chance, doch die Lust immer noch nicht
und wer Lust hat macht’s gut und fängt an!

Alle gehen ab. Frenetischer Beifall mit Fußballgesängen (Finale – oh, oh …) aus dem Off begleitet sie.

ENDE

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